Vor dem geplanten Einsatz durchläuft das Fahrzeug ein umfangreiches Testprogramm. | © Land OÖ / Max Mayrhofer
Mit der Präsentation des ersten TramTrain-Fahrzeugs für Oberösterreich erreicht das Projekt Regional-Stadtbahn Linz einen wichtigen Meilenstein. Das Fahrzeug wurde in Eferding vorgestellt und wird nun in eine umfangreiche Testphase überführt. Die Inbetriebnahme im Fahrgastbetrieb ist – vorbehaltlich erfolgreicher Tests und Genehmigungen – spätestens 2027 auf der Linzer Lokalbahn (LILO) geplant.
Das Fahrzeug ist Teil eines internationalen Beschaffungsvorhabens mehrerer Verkehrsunternehmen aus Österreich und Deutschland. Für Oberösterreich wurden 20 Fahrzeuge bestellt, mit einer Option auf weitere Einheiten. Produziert werden sie vom Schweizer Hersteller Stadler Rail im Werk in Valencia (Spanien).
Verbindung von Stadt- und Regionalverkehr
Das TramTrain-Konzept kombiniert die Eigenschaften von Straßenbahn und Eisenbahn. Die Fahrzeuge können sowohl im städtischen Straßenbahnnetz als auch auf regionalen Bahnstrecken eingesetzt werden. Ziel ist es, umsteigefreie Verbindungen zwischen Stadt und Umland zu schaffen und damit den öffentlichen Verkehr attraktiver zu machen.
„Die Präsentation des ersten TramTrain-Fahrzeugs ist ein sichtbarer Meilenstein für die Regional-Stadtbahn und für die Zukunft der Mobilität in Oberösterreich“, sagt Landeshauptmann Thomas Stelzer.
Auch Günther Steinkellner, Landesrat für Mobilität und Infrastruktur, betont die Bedeutung des Projekts für eine moderne und nachhaltige Verkehrsentwicklung.
Umfangreiche Tests vor Betriebsstart
Vor dem geplanten Einsatz durchläuft das Fahrzeug ein umfangreiches Testprogramm. Dazu zählen unter anderem Bremsmessfahrten, Notbremsungen, Prüfungen der technischen Systeme sowie Tests zur elektromagnetischen Verträglichkeit. Auch betriebliche Szenarien wie das Wiederaufgleisen nach einer Entgleisung werden simuliert.
Die Tests erfolgen in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverbundunternehmen Stern & Hafferl Verkehr, den ÖBB sowie den zuständigen Behörden.
„Mit dem Start der Test- und Erprobungsphase rücken wir einen bedeutenden Schritt näher an umsteigefreie, schnelle Verbindungen zwischen Stadt und Umland“, sagt Sonja Wiesholzer, Geschäftsführerin von Schiene OÖ.
Standardisierte Fahrzeugplattform mit Skaleneffekten
Das Projekt basiert auf einem modularen Baukastensystem, das von mehreren Verkehrsunternehmen gemeinsam genutzt wird. Die Fahrzeuge teilen sich eine einheitliche technische Plattform, können jedoch an unterschiedliche Anforderungen angepasst werden.
Durch die gemeinsame Beschaffung entstehen Skaleneffekte, die sowohl die Anschaffungskosten als auch die langfristige Wartung optimieren sollen. Der Rahmenvertrag sieht eine Zusammenarbeit über mehrere Jahrzehnte vor.
Logistisch anspruchsvolle Anlieferung
Der Transport des ersten Fahrzeugs nach Oberösterreich war komplex: Von Valencia aus wurde es zunächst per Lkw nach Bilbao gebracht, anschließend per Schiff nach Antwerpen und von dort auf der Schiene weiter nach Österreich transportiert. Ziel war schließlich die Werkstätte von Stern & Hafferl Verkehr in Eferding.
Projekt mit internationaler Dimension
Insgesamt umfasst das internationale TramTrain-Projekt ein Auftragsvolumen von über vier Milliarden Euro. Mehr als 500 Fahrzeuge sollen im Rahmen des Konsortiums beschafft werden.
„Wir erleben hier eine ganz neue Generation des öffentlichen Verkehrs“, sagt Christian Diewald, Geschäftsführer von Stadler Austria. Die Kombination aus Straßenbahn- und Eisenbahntechnik ermögliche effizientere und direktere Verbindungen.
Mit der nun gestarteten Testphase beginnt die entscheidende Etappe auf dem Weg zur Einführung des neuen Verkehrssystems in Oberösterreich.
