PRO Danube AUSTRIA fordert eine rasche Wiederherstellung der Schiffbarkeit. | © PDA
Die anhaltende Sperre der Donau im Bereich des ungarischen Kernkraftwerks Paks sorgt für Kritik aus der österreichischen Wirtschaft. PRO Danube AUSTRIA fordert eine rasche Wiederherstellung der Schiffbarkeit und eine Neubewertung der dort vorgenommenen Eingriffe. Nach Angaben der Interessenvertretung soll die Wasserstraße noch bis 30. November 2026 für die Schifffahrt gesperrt bleiben.
Damit fällt die Einschränkung in eine für die Binnenschifffahrt wichtige Jahreszeit. Betroffen sind insbesondere Rohstoff- und Gütertransporte entlang der Donau sowie davon abhängige industrielle Lieferketten. Auch die Fahrgastschifffahrt ist von der Sperre betroffen.
Für Österreich ist die Situation vor allem deshalb relevant, weil die Donau Teil des europäischen Rhein-Donau-Korridors und für zahlreiche Verlader eine wichtige Verbindung zu den südosteuropäischen Märkten darstellt.
„Die Donau ist für zahlreiche Industrieunternehmen und Logistikplayer unverzichtbar. Die anhaltende Sperre führt bereits jetzt zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden und belastet Unternehmen entlang der gesamten Donauachse“, sagt Lisa-Maria Putz-Egger, Präsidentin von PRO Danube AUSTRIA.
Baumaßnahmen könnten Kapazität dauerhaft einschränken
Hintergrund der Sperre sind Baumaßnahmen im Flussbereich bei Paks. Besonders kritisch bewertet PRO Danube AUSTRIA den Bau einer Sohlschwelle. Nach Angaben der Interessenvertretung sollen die Maßnahmen nicht nur während der Bauphase Auswirkungen auf die Schifffahrt haben, sondern die Leistungsfähigkeit des Abschnitts auch langfristig einschränken.
Putz-Egger verweist dabei auf Angaben der ungarischen Regierung, wonach sich die Transportkapazität um annähernd 50 Prozent reduzieren könnte. „Die österreichische verladende Industrie ist davon schwerst betroffen. Die bauliche Maßnahme reduziert die Transportkapazitäten laut der ungarischen Regierung um annähernd 50 Prozent, der Bau der Sohlschwelle in Paks beeinträchtigt den gesamten Import und Exportweg dramatisch.“
Nach Informationen, auf die sich PRO Danube AUSTRIA beruft, könnte zudem die Zahl der schiffbaren Tage in diesem Donauabschnitt von derzeit 343 auf 182 Tage pro Jahr zurückgehen. Zusätzlich könnten höhere Strömungsgeschwindigkeiten die Navigation erschweren. Die Interessenvertretung sieht darin die Gefahr eines dauerhaften Nadelöhrs auf der europäischen Wasserstraße.
PRO Danube fordert unabhängige Neubewertung
Die Kritik richtet sich dabei nicht grundsätzlich gegen ökologische Maßnahmen an der Donau. PRO Danube AUSTRIA fordert vielmehr, die Auswirkungen auf Gewässerökologie, Schifffahrt und Wirtschaft gemeinsam zu betrachten und mögliche Alternativen zu prüfen.
Nach Ansicht der Organisation wurden bei der Planung der Maßnahmen zudem die Auswirkungen auf benachbarte Staaten und andere Funktionen der Donau nicht ausreichend berücksichtigt. Deshalb fordert sie eine umfassende grenzüberschreitende Prüfung sowie eine stärkere Einbindung von Industrie, Häfen, Schifffahrtsunternehmen und Umweltfachleuten.
Bis zu einer unabhängigen fachlichen Neubewertung sollten nach Auffassung von PRO Danube AUSTRIA weitere Bauphasen ausgesetzt werden. Gleichzeitig soll sich Österreich auf bilateraler und europäischer Ebene für die vollständige Wiederherstellung der Schiffbarkeit bei Paks einsetzen.
Verlagerung auf andere Verkehrsträger droht
Für die Verlader geht es dabei nicht nur um die aktuelle Sperre. Sollte die Leistungsfähigkeit des Donauabschnitts tatsächlich dauerhaft sinken, könnte dies die Planung von Transportketten entlang des gesamten Korridors verändern. Unternehmen müssten Gütermengen gegebenenfalls auf andere Routen oder Verkehrsträger verlagern.
Das würde auch die Bemühungen treffen, mehr Güter auf vergleichsweise emissionsarme Verkehrsträger wie das Binnenschiff zu verlagern. Gerade für große Mengen an Massengütern und Rohstoffen ist die Donau ein wichtiger Bestandteil internationaler Lieferketten.
PRO Danube AUSTRIA fordert deshalb auch, die wirtschaftlichen Auswirkungen auf österreichische Unternehmen systematisch zu erfassen und auf europäischer Ebene zu thematisieren. Ob aus der derzeitigen Sperre tatsächlich ein langfristiger Engpass für die Donauschifffahrt wird, hängt letztlich von den dauerhaften Auswirkungen der Baumaßnahmen ab. Genau diese müssten nach Ansicht der Interessenvertretung nun unabhängig untersucht werden.
