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Der globale Markt für Containertransporte entwickelt sich zunehmend in zwei Richtungen. Während Reedereien auf den Verbindungen von Asien in die USA wieder höhere Spotraten durchsetzen, geben die Preise nach Nordeuropa und in den Mittelmeerraum deutlich nach. Für Verlader wird die Routenwahl damit zu einer Frage des richtigen Timings.
Nach dem Freightos-Wochenupdate vom 18. August erhöhten sich die Spotraten von Asien an die US-Westküste innerhalb einer Woche um neun Prozent auf rund 7.400 US-Dollar je 40-Fuß-Container. An die Ostküste stiegen sie um drei Prozent auf etwa 9.400 Dollar je FEU. Damit erreichte dieser Korridor einen neuen Höchststand.
US-Nachfrage bleibt überraschend robust
Der Anstieg kommt unerwartet. Viele Marktbeobachter hatten damit gerechnet, dass der vorgezogene Saisonhöhepunkt bereits im August an Kraft verlieren würde. Importeure hatten Bestellungen frühzeitig verschifft, um möglichen Zolländerungen und weiteren handelspolitischen Verschärfungen zuvorzukommen.
Das Ladungsaufkommen in Richtung USA bleibt dennoch hoch. Gleichzeitig halten die Reedereien ihre Kapazitäten knapp und versuchen, angekündigte Ratenerhöhungen am Markt durchzusetzen. Besonders an die Ostküste ist der verfügbare Frachtraum begrenzt. Die Folge sind längere Buchungsvorläufe und geringe Spielräume für kurzfristige Transporte.
Anders sieht es auf den Routen nach Europa aus. Die Spotraten von Asien nach Nordeuropa fielen auf rund 4.700 Dollar je FEU. Seit ihrem Hoch im Juli haben sie damit mehr als 1.000 Dollar beziehungsweise etwa 20 Prozent verloren. Im Verkehr zum Mittelmeer sank das Niveau auf ungefähr 5.000 Dollar je FEU, rund 30 Prozent unter dem Juli-Höchststand.
Europas Hochsaison endet früher
Der Rückgang spricht für ein frühes Abflauen der Hochsaison. Nachdem europäische Importeure in den vergangenen Monaten große Mengen vorgezogen hatten, schwächt sich die Nachfrage nun ab. Gleichzeitig kommt zusätzliche Schiffskapazität auf den Markt. Reedereien streichen deshalb geplante Ratenerhöhungen oder bieten wieder Preisnachlässe an.
Eine Rückkehr zu normalen Marktbedingungen ist damit allerdings nicht verbunden. Die Frachtraten liegen weiterhin deutlich über dem Niveau vom Mai, als die saisonale Aufwärtsbewegung begann. Zudem wird ein Teil der verfügbaren Kapazität durch operative Verzögerungen gebunden.
In mehreren großen Häfen Europas und Asiens treffen hohe Umschlagsmengen auf begrenzte Terminalkapazitäten. Der Warnstreik in sechs deutschen Seehäfen, darunter Hamburg und Bremerhaven, verschärfte die Lage zusätzlich. Auch nach dem Ende eines Arbeitskampfes können Rückstände bei der Schiffsabfertigung mehrere Tage nachwirken. Verzögerungen setzen sich häufig bei Bahn-, Binnenschiffs- und Lkw-Verbindungen ins Hinterland fort.
Panamakanal wird zum Kostenrisiko
Für Transporte an die US-Ostküste kommt ein weiterer Unsicherheitsfaktor hinzu. Die Panamakanalbehörde bereitet sich wegen der erwarteten Auswirkungen von El Niño auf niedrigere Wasserstände vor. Der zulässige Tiefgang für Neopanamax-Schiffe soll schrittweise reduziert werden.
Die Zahl der täglichen Durchfahrten bleibt zwar vorerst unverändert. Geringere Tiefgänge können jedoch dazu führen, dass Schiffe weniger Ladung aufnehmen oder Container zurücklassen müssen. Erste Reedereien haben deshalb für September Kanalzuschläge angekündigt. Je nach Route können diese die ohnehin hohen Kosten für Transporte an die Ostküste weiter erhöhen.
Auch die Treibstoffpreise zeigen wieder nach oben. Nach neuen geopolitischen Spannungen sind die Bunkerpreise gestiegen. Mehrere Carrier bereiten zusätzliche Treibstoffzuschläge vor. Gleichzeitig bleibt die Sicherheitslage im Roten Meer unsicher. Eine schnelle Rückkehr aller großen Linien auf die kürzere Route durch den Suezkanal ist daher nicht absehbar.
Der niedrigste Tarif ist nicht immer der beste
Für Verlader ergibt sich ein Markt mit gegenläufigen Signalen. Im Transpazifik sprechen hohe Auslastung, mögliche Panamakanal-Zuschläge und begrenzte Kapazität für frühzeitige Buchungen. Auf den Verbindungen nach Europa entstehen dagegen neue Möglichkeiten, Preise und Konditionen nachzuverhandeln.
Entscheidend ist jedoch nicht allein die Höhe der Frachtrate. Ein günstiger Tarif kann mit längeren Laufzeiten, zusätzlichen Umladungen oder einer höheren Wahrscheinlichkeit ausfallender Abfahrten verbunden sein. In einem Markt, in dem sich die Bedingungen von Route zu Route unterscheiden, gewinnt deshalb die Zuverlässigkeit gegenüber dem reinen Einkaufspreis wieder an Gewicht.
