CER Cargo wächst

27.02.2026 | Schiene

Mit der Übernahme der WLC Cargo setzt die ungarische CER Cargo ihren Expansionskurs fort. CEO Wilhelm Patzner erklärt die Strategie dahinter.

Ende 2025 hat die ungarische CER Cargo Holding das österreichische Bahnunternehmen WLC Cargo definitiv übernommen und damit einen weiteren Expansionsschritt gesetzt. Die Holding hat im vergangenen Jahr 50 Millionen Euro Umsatz erzielt und rechnet heuer dank des Zukaufs mit einem Sprung auf 110 Millionen – so die Erwartung von Wilhelm Patzner, CEO der CER Cargo Holding.
Die ehemalige WLC Cargo firmiert nun unter CER Cargo Traction GmbH mit Sitz in Wien und passt gut in die Strategie des 300 Mitarbeiter (davon 120 Lokführer) umfassenden EVU: „Wir bieten interoperable Ganzzug-Verkehre ohne Lokwechsel in ganz Europa und haben Kombi-Operateure, andere EVU und Bahnspediteure als Kunden im Fokus“, betont Patzner. „Mit der Übernahme verbessern wir unsere Marktsituation in Österreich und Deutschland, bekommen neue Kunden in unser Portfolio und können unsere Leistungen für unsere Bestandskunden optimieren“, fügt er hinzu.

Expansion ohne Lokwechsel

Interoperabel gefahren wird mit 50 selbst bewirtschafteten Lokomotiven, darunter Vectron-, Transmontana- und Dieselloks. Der Aktionsradius von CER umfasst derzeit neun Länder: Österreich, Deutschland, Ungarn, die Slowakei, Tschechien, Rumänien, Serbien, Polen und Kroatien. In all diesen Ländern fährt CER Cargo in Eigentraktion. In Bulgarien wird heuer die Flagge hochgezogen, in Griechenland und Slowenien will man in weiterer Folge ebenfalls Fuß fassen, so Patzner: „Mit unserer europäischen Präsenz sprechen wir auch große potenzielle Kunden an.“ Dabei denkt man beispielsweise an namhafte Partnerbahnen, Bahnspediteure und Intermodal-Operateure. Für diese fährt CER Cargo bereits grenzüberschreitende Züge, etwa zwischen Polen und Italien, Polen und Rumänien oder Polen und Serbien. Auch für Weco-Rail werden Züge von Graz nach Polen geführt.

Machte bisher das Gros des Geschäfts Spotverkehre aus, eröffnen sich mit der CER Cargo Traction nun auch längerfristige Verträge für Regelverkehre. Das Verhältnis soll sich künftig bei 50:50 einpendeln.

Flexibilität als Wettbewerbsvorteil

Zu den Stärken von CER Cargo zählt Patzner die große Flexibilität in der Disposition sowie das One-Stop-Shopping von Traktionsleistungen: „Wir können innerhalb von zwei Tagen Verkehre auf die Schiene bringen und agieren als neutraler Dienstleister.“ Derzeit wird regional disponiert, künftig soll die Zugplanung auf internationaler Ebene erfolgen – das entsprechende System wird gerade implementiert. Und das zwischen der Türkei und dem Ruhrgebiet, wie der Manager versichert.

Neben der klassischen EVU-Tätigkeit werden auch Value-added-Services wie Instandhaltung und Verschubleistungen angeboten.
Das aktuelle Marktumfeld bezeichnet Patzner als „schrecklich, weil im Vorjahr die Transportmengen massiv zurückgegangen sind“. Grund dafür sei die rückläufige Industrieproduktion in Europa gewesen, was negative Auswirkungen auf die EVU-Branche hatte. Fazit: Ein massiver Preiswettbewerb unter den EVU findet statt, finanzschwache Anbieter gerieten unter die Räder. Patzner: „Wir haben schlanke Overhead-Kosten und können uns so flexibel an Marktentwicklungen anpassen, selbst wenn die Margen sinken.“

Anzeigen
Anzeigen

Newsletter

Events

Auf Linkedin folgen