Dass sich die beiden Tunnelröhren exakt an der Staatsgrenze trafen, ist das Ergebnis jahrelanger Vermessungsarbeit. | © BBT SE / Alan Bianchi
Historischer Durchschlag unter dem Brenner
Rund 1.400 Meter unter dem Brennerpass ist ein weiterer Abschnitt des Brenner Basistunnels vollendet. Nahezu zeitgleich wurden die westliche und die östliche Hauptröhre an der Staatsgrenze zwischen Österreich und Italien durchschlagen. Um 10:35 Uhr fiel der letzte Fels – damit entstand eine durchgehende Tunnelverbindung zwischen beiden Ländern.
Mit dem Durchschlag schlossen die Vortriebe des österreichischen Bauloses H53 Pfons–Brenner an die bereits fertiggestellten Tunnelröhren des italienischen Bauloses H61 Mauls 2–3 an. Der Moment markiert nicht nur einen bautechnischen Erfolg, sondern symbolisiert auch die enge Zusammenarbeit der beiden Nachbarstaaten beim Bau einer der wichtigsten Nord-Süd-Eisenbahnverbindungen Europas.
Zwei Bauweisen, ein gemeinsames Ziel
Bemerkenswert ist, dass auf beiden Seiten unterschiedliche Vortriebsmethoden zum Einsatz kamen. Während in Italien Tunnelbohrmaschinen die beiden Hauptröhren bis zur Staatsgrenze vortrieben, erfolgte der Tunnelbau in Österreich konventionell im Sprengvortrieb. Der Durchschlag verbindet damit nicht nur zwei Tunnelabschnitte, sondern auch zwei bewährte Bauverfahren.
Für die Vorstände der BBT SE, Martin Gradnitzer und Umberto Lebruto, zählt der Durchschlag zu den bedeutendsten Etappenzielen des Projekts. „Mit der Zusammenführung der beiden Haupttunnelröhren erreicht der BBT ein weiteres, wichtiges Etappenziel. Künftig werden hier die Güter- und Personenzüge zwischen Österreich und Italien verkehren.“ Der Erfolg zeige, „was möglich ist, wenn über Grenzen hinweg an einer gemeinsamen Aufgabe gearbeitet wird“.
Präzisionsarbeit tief unter den Alpen
Dass sich die beiden Tunnelröhren exakt an der Staatsgrenze trafen, ist das Ergebnis jahrelanger Vermessungsarbeit. Bereits beim Durchschlag des Erkundungsstollens im Jahr 2025 lag die Abweichung lediglich im einstelligen Zentimeterbereich. Diese Messdaten bildeten die Grundlage für den Vortrieb der Hauptröhren.
Projektleiter Michael Knapp verweist auf die Herausforderungen des österreichischen Bauabschnitts: „Tunnelbau bedeutet, jeden Tag aufs Neue mit Herausforderungen zu arbeiten. Das Gebirge hat uns in diesem Baulos immer wieder gefordert und vor unerwartete Aufgaben gestellt.“ Sein Dank gelte dem gesamten Projektteam sowie den beteiligten Bauunternehmen.
Auch Alessandro Marottoli, Projektleiter des italienischen Bauloses H61 Mauls, spricht von einem historischen Tag: „Zu wissen, dass ab heute drei Tunnel Österreich und Italien durch den Brenner Basistunnel verbinden, erfüllt das gesamte BBT-Team mit großem Stolz.“
Nächste Etappe Richtung Innsbruck
Nach dem grenzüberschreitenden Durchschlag konzentrieren sich die Arbeiten nun auf die beiden letzten Tunnelbohrmaschinen „Wilma“ und „Olga“, die die Hauptröhren in Richtung Innsbruck vorantreiben. Mit ihrem Abschluss werden die beiden durchgehenden Eisenbahntunnel des Brenner Basistunnels vollständig hergestellt sein.
Der Brenner Basistunnel gilt als Kernprojekt des europäischen Scan-Med-Korridors und soll den Schienenverkehr zwischen Nord- und Südeuropa beschleunigen sowie mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene verlagern. Sobald die Bauarbeiten abgeschlossen sind, wird er mit 64 Kilometern zu den längsten unterirdischen Eisenbahnverbindungen der Welt zählen.
