„Der Korridor hat sich zu einer seriösen Alternative entwickelt“

30.10.2026 | Straße

Der Mittlere Korridor gewinnt für Transporte nach Zentralasien an Bedeutung, doch die Überfahrt über das Kaspische Meer bleibt ein Engpass. Metin Mertaslan, CEO von Nilcargo, erklärt, wie sein Unternehmen die steigende Nachfrage bedient und welche Rolle Wien dabei spielt.

Wie stark wird die Lkw-Route zwischen Europa und Zentralasien derzeit genutzt?

Die Lkw-Route zwischen Europa und Zentralasien wird derzeit deutlich stärker genutzt als noch vor Beginn des Russland-Ukraine-Konfliktes, insbesondere über den sogenannten Mittleren Korridor, der über die Türkei, den Kaukasus und das Kaspische Meer verläuft.

Welche Rolle spielt Österreich in Ihren Zentralasien-Verkehren?

Österreich spielt in unseren Zentralasien-Verkehren eine wichtige Rolle als europäisches Gateway, wobei insbesondere Wien als logistischer Knotenpunkt für Sendungen aus West- und Mitteleuropa in Richtung Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan, Tadschikistan und Turkmenistan dient. Aus unserer Zentrale in Wien bündeln wir Transporte und steuern die Weiterleitung über die Türkei und den Mittleren Korridor.

Ist die Mittlere Seidenstraße eine echte Alternative zu den etablierten Transportrouten?

Die Mittlere Seidenstraße beziehungsweise der Mittlere Korridor hat sich seit 2022 von einer Nischenroute zu einer seriösen Alternative entwickelt. Das Transportaufkommen ist stark gestiegen, und zahlreiche Infrastrukturprojekte entlang der Strecke sollen die Kapazität weiter erhöhen.

Dies hat zwei relevante Vorteile: Der Korridor verläuft über die Türkei, Georgien, Aserbaidschan und das Kaspische Meer, wodurch Berührungspunkte mit Russland und die hiermit zusammenhängenden Sanktionen vermieden werden. Ebenfalls ist diese Transportroute erheblich schneller als die Seefracht.

Welche Vorteile und Herausforderungen bietet die Transkaspische Route?

Die Transkaspische Route bietet eine schnelle und geopolitisch attraktive Alternative zu traditionellen Eurasien-Routen. Ihre größten Vorteile sind die Umgehung Russlands, kürzere Laufzeiten und die zunehmende Infrastrukturqualität. Die größten Herausforderungen liegen in den Fährkapazitäten über das Kaspische Meer auf Grund von unregelmäßigen Abfahrten wegen Schlechtwetters sowie Engpässen bei Schiffskapazitäten.

Wie haben sich Ihre Transportanfragen nach Zentralasien zuletzt entwickelt?

Die Transportanfragen nach Zentralasien haben in den letzten Jahren spürbar zugenommen. Viele Unternehmen bewerten ihre Lieferketten neu und suchen nach stabilen Transportlösungen zwischen Europa und Zentralasien, gleichzeitig verbessert sich die Infrastruktur entlang des Transkaspischen Korridors kontinuierlich, wodurch die Region für europäische Exporteure und Importeure zunehmend attraktiver wird.

Aus welchen Ländern oder Regionen kommen aktuell die meisten Anfragen?

Die meisten Anfragen beziehen sich derzeit auf Kasachstan und Usbekistan. Darüber hinaus wächst das Interesse an weiteren zentralasiatischen Märkten sowie an den Ländern entlang der Transkaspischen Route. Dies spiegelt die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung der Region und den Bedarf an alternativen Transportkorridoren zwischen Europa und Asien wider.

In welchen Märkten und Regionen ist Nilcargo derzeit besonders stark?

Wir sind traditionell auf den Transportkorridoren zwischen Europa, der Türkei, dem Kaukasus, dem Nahen Osten und Zentralasien beheimatet. Aktuell zählen zu den wichtigsten Märkten die Türkei, Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Kirgisistan, Tadschikistan sowie die Kaukasusstaaten Georgien, Armenien und Aserbaidschan. In diesen Märkten verfügen wir über 25 Jahre Erfahrung, mit Unterbrechungen auf Grund von Kriegsvorfällen. Unsere Stärken liegen vor allem in der Organisation komplexer Landverkehre entlang dieser Regionen und der persönlichen Betreuung über die gesamte Transportkette hinweg.

Welche Güter werden auf den Zentralasien-Routen hauptsächlich transportiert?

Den Großteil der auf diesen Routen transportierten Waren machen Industriegüter, Maschinen, Pharma- und Chemieprodukte, Lebensmittel sowie hochwertige Handelswaren aus. Die Bandbreite ist groß und zeigt, wie vielfältig die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und Zentralasien inzwischen sind.

Wie hat sich das Geschäft von Nilcargo in den vergangenen Jahren entwickelt?

Die Entwicklung von Nilcargo war in den vergangenen Jahren von kontinuierlichem Wachstum geprägt. Mit rund 70 Beschäftigten, einem Jahresumsatz von etwa 18 Millionen Euro, drei internationalen Standorten und einem eigenen Fuhrpark mit 58 Lkw hat sich unser Unternehmen als spezialisierter Logistikdienstleister für Transporte zwischen Europa, Zentralasien, dem Kaukasus und dem Nahen Osten etabliert.

In welche Märkte und Regionen möchte sich Nilcargo künftig besonders entwickeln?

Wir sehen unsere Wachstumschancen vor allem in den Regionen, die von der zunehmenden wirtschaftlichen Vernetzung zwischen Europa und Asien profitieren, hierzu zählen insbesondere Zentralasien, der Kaukasus und der Nahe und Mittlere Osten. Durch unsere starke Marktposition in diesen Regionen wollen wir das bestehende Netzwerk gezielt weiterentwickeln und zusätzliche Marktanteile gewinnen.

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