East-West Gate: Ungarns östliches Logistikdrehkreuz | © EWG Group
Am East-West Gate (EWG) im ostungarischen Fényeslitke ist erstmals ein Containerzug der französischen Reederei CMA CGM eingetroffen. Damit gewinnt das Terminal einen weiteren Anknüpfungspunkt an die internationale Containerlogistik. Bereits Anfang 2026 hatte Maersk am Standort Containerdepot- und Dry-Port-Dienstleistungen eingeführt.
Für die EWG Group ist die Entwicklung von besonderer Bedeutung. Das Terminal war ursprünglich als Umschlagpunkt für Schienengüterverkehre zwischen China und Mittel- und Osteuropa über die Ukraine konzipiert worden. Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022, zeitgleich mit dem Beginn des Probebetriebs, verlor dieses Geschäftsmodell weitgehend seine Grundlage.
Seither arbeitet der Betreiber daran, das Terminal stärker in europäische Lieferketten einzubinden. Die Ankunft des ersten CMA-CGM-Zuges zeigt, dass dabei zunehmend auch die Anforderungen internationaler Containerreedereien in den Mittelpunkt rücken.
Batterieindustrie verändert Containerströme
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist der Ausbau der Elektrofahrzeug- und Batterieindustrie in Ostungarn. Die wachsenden Produktionskapazitäten sorgen für zusätzliche Containerimporte, während die Exportmengen vergleichsweise gering bleiben.
Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht zwischen ein- und ausgehenden Containern. Für Reedereien bedeutet das einen erhöhten Aufwand bei der Rückführung leerer Transportbehälter.
Genau hier setzt die Neuausrichtung von East-West Gate an. Das Terminal soll unterschiedliche Warenströme zusammenführen und damit zusätzliche Möglichkeiten für die Nutzung vorhandener Containerkapazitäten schaffen.
Ukrainische Agrartransporte als zweite Säule
Parallel dazu verändert der Krieg in der Ukraine die Transportwege für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Die Einschränkungen traditioneller Exportrouten erhöhen das Interesse an Alternativen zum konventionellen Massenguttransport.
Insbesondere bei Getreide und anderen Agrarrohstoffen sieht die EWG Group Potenzial für containerisierte Transportlösungen. Diese könnten ukrainische Exportströme mit den Containerverkehren der internationalen Reedereien verknüpfen.
Ein Standortvorteil ist die Lage an der Schnittstelle zwischen dem ukrainischen Breitspurnetz und dem europäischen Normalspurnetz. East-West Gate kann damit unterschiedliche Schienensysteme miteinander verbinden.
Nach Angaben des Betreibers wurden zudem technische Lösungen entwickelt, um bislang konventionell transportierte Güter in containerisierte Lieferketten einzubinden. Damit soll das Terminal nicht nur als Umschlagplatz, sondern auch als Verbindung zwischen Industrieimporten, Agrarausfuhren und maritimen Transportnetzen dienen.
Neuausrichtung statt Rückkehr zum alten Transitmodell
Mit Maersk und CMA CGM rückt East-West Gate näher an die internationalen Containerverkehre heran. Ob aus der erstmaligen Ankunft eines CMA-CGM-Zuges regelmäßige Verbindungen entstehen, geht aus der Mitteilung allerdings nicht hervor.
Die EWG Group will ihre Zusammenarbeit mit Reedereien, Spediteuren und Industrieunternehmen weiter ausbauen. Langfristig soll sich Fényeslitke als Knotenpunkt für maritime Containerlogistik, intermodale Verkehre und konventionellen Schienengütertransport etablieren.
Die strategische Ausrichtung hat sich damit grundlegend verändert: Statt auf eine mögliche Wiederbelebung der ursprünglichen China-Europa-Verbindungen über die Ukraine zu warten, setzt East-West Gate auf die Verknüpfung regionaler Industrie- und Exportströme mit internationalen Transportnetzwerken.
