OMV fungiert als Pilotkunde der Technologie, die Siemens im Oktober 2025 vorgestellt hatte. | © Siemens
OMV und Siemens eMobility haben an der OMV-Station in Kufstein ein neues Hochleistungsladesystem für Elektro-Lkw und Pkw in Betrieb genommen. Der Standort liegt an der Brennerroute zwischen Deutschland und Italien und soll insbesondere dem elektrischen Schwerverkehr zusätzliche Lademöglichkeiten auf einer der wichtigen europäischen Transitachsen bieten.
Zum Einsatz kommt erstmals im kommerziellen Betrieb das von Siemens entwickelte SICHARGE FLEX-System. OMV fungiert als Pilotkunde der Technologie, die Siemens im Oktober 2025 vorgestellt hatte. Der offizielle Betrieb wurde am 29. September gestartet.
In der ersten Ausbaustufe stehen sechs DC-Ladepunkte zur Verfügung: vier für Pkw und zwei für Lkw. Pro Ladepunkt sind derzeit Ladeleistungen von bis zu 400 kW möglich.
Megawattladen für Lkw soll folgen
Damit ist der Ausbau allerdings noch nicht abgeschlossen. In einem nächsten Schritt sind vier zusätzliche Ladepunkte für Lkw vorgesehen. Diese sollen über den Megawatt Charging Standard (MCS) Ladeleistungen zwischen 600 kW und 1,2 MW ermöglichen.
Gerade für den Fernverkehr ist neben der Verfügbarkeit von Ladepunkten die Ladegeschwindigkeit entscheidend. Nach Angaben der Unternehmen kann ein moderner Elektro-Lkw mit einer 620-kWh-Batterie bei entsprechender Ladeleistung in rund 45 Minuten von 20 auf 80 Prozent geladen werden. Damit soll sich der Ladevorgang in die gesetzlich vorgeschriebenen Fahrpausen integrieren lassen.
Das SICHARGE FLEX-System kann insgesamt mit Leistungen zwischen 480 kW und 1,68 MW konfiguriert werden. Eine dynamische Leistungsverteilung ermöglicht es, die verfügbare Leistung abhängig vom Bedarf auf mehrere angeschlossene Fahrzeuge zu verteilen.
„Die Elektrifizierung des Güterverkehrs ist eine zentrale Säule eines nachhaltigen Verkehrssystems“, sagt Markus Mildner, CEO von Siemens eMobility. Das System sei so konzipiert, dass es sich für unterschiedliche Anwendungen „vom Logistikdepot bis zum öffentlichen Ladepark für Pkw und Lkw“ konfigurieren lasse.
Kufstein als Ladepunkt auf der Brennerachse
Die Wahl von Kufstein ist eng mit der Lage des Standorts verbunden. Die Brennerroute zählt zu den zentralen Straßenverbindungen zwischen Deutschland, Österreich und Italien. Für den Hochlauf batterieelektrischer Lkw sind leistungsfähige öffentliche Ladeangebote entlang solcher Fernverkehrskorridore eine wesentliche Voraussetzung.
OMV kombiniert die Ladeinfrastruktur am Standort mit bereits vorhandenen Angeboten für den Schwerverkehr. Dazu zählen unter anderem Duschen, Gastronomie und Waschmöglichkeiten für Fahrer.
„Gerade für den elektrischen Schwerverkehr braucht es leistungsfähige und verlässlich verfügbare Lademöglichkeiten entlang zentraler Transitrouten. Kufstein ist dafür aufgrund seiner Lage an der Brennerachse ein idealer Standort“, sagt Peter Vysny, VP International Operations & eMobility bei OMV.
Weitere Standorte in Österreich geplant
Kufstein soll nicht der einzige OMV-Standort mit der neuen Siemens-Technologie bleiben. Der Energiekonzern hat bereits weitere SICHARGE FLEX-Systeme für Österreich bestellt. Lieferung und Inbetriebnahme sind laut den Unternehmen in den kommenden Monaten vorgesehen. Konkrete Standorte wurden nicht genannt.
Für die Steuerung und Überwachung setzt OMV zusätzlich auf die cloudbasierte Siemens-Lösung SIFINITY Control. Sie soll unter anderem den Betrieb und die Verfügbarkeit der Ladeinfrastruktur überwachen.
OMV ist als Ladepunktbetreiber und Mobilitätsdienstleister neben Österreich auch in Ungarn, der Slowakei und Rumänien aktiv. Mit dem Ausbau in Kufstein rückt nun insbesondere der elektrische Straßengüterverkehr stärker in den Fokus – zunächst mit bis zu 400 kW pro Lkw-Ladepunkt und perspektivisch mit Ladeleistungen im Megawattbereich.
