Margarete Kriz-Zwittkovits, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien | © Florian Wieser
Der Ausbau der Wiener Verbindungsbahn zwischen Hütteldorf und Meidling geht in die Bauphase. Zum offiziellen Baustart legt die Wirtschaftskammer Wien (WK Wien) neue Berechnungen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Infrastrukturprojekts vor. Demnach sollen die Investitionen von rund 511,5 Millionen Euro in Wien einen Beitrag zum Bruttoregionalprodukt von 248,5 Millionen Euro auslösen und rund 2.270 Arbeitsplätze schaffen oder sichern.
Österreichweit beziffert die Analyse den Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt auf 402,9 Millionen Euro. Die Berechnungen stammen vom Wiener Standortanwalt der WK Wien.
„Solche Investitionen wirken doppelt. Sie schaffen schon in der Bauphase Wertschöpfung und Beschäftigung und verbessern danach dauerhaft die Qualität des Standorts“, sagt Margarete Kriz-Zwittkovits, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien.
Bessere Anbindung für neun Betriebszonen
Der langfristige wirtschaftliche Nutzen des Projekts liegt aus Sicht der WK Wien vor allem in der verbesserten Erreichbarkeit von Unternehmensstandorten. Entlang der West-Ost-Verbindung zwischen Hütteldorf, Meidling und Aspern befinden sich laut Kammer neun Betriebszonen mit insgesamt rund 910 Hektar Betriebsflächen.
Eine leistungsfähigere S-Bahn-Verbindung soll für diese Standorte insbesondere den Zugang zu Arbeitskräften verbessern. Durch bessere Verbindungen für Pendlerinnen und Pendler vergrößert sich potenziell das Einzugsgebiet der Unternehmen.
„Eine leistungsfähige Stadt braucht eine leistungsfähige Infrastruktur. Gute Erreichbarkeit ist für Betriebe heute ein entscheidender Standortfaktor, für Kunden genauso wie für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagt Kriz-Zwittkovits.
Auch lokale Geschäftsstandorte könnten von höheren Fahrgastzahlen profitieren. Für die drei Haltestellen im Bereich der Verbindungsbahn prognostiziert die WK Wien künftig insgesamt rund 22.400 Ein- und Aussteiger pro Tag. Derzeit werden in Speising rund 2.500 gezählt.
Nach Fertigstellung des Projekts erwartet die Kammer einen dauerhaft messbaren wirtschaftlichen Effekt. Die Analyse beziffert die zusätzliche jährliche Bruttowertschöpfung in Wien auf rund 6,9 Millionen Euro.
15-Minuten-Takt zwischen Hütteldorf und Meidling
Die ÖBB modernisieren die rund fünf Kilometer lange Verbindungsbahn zwischen Hütteldorf und Meidling in mehreren Bauabschnitten. Der bislang eingleisige Abschnitt Richtung Hütteldorf erhält ein zweites Gleis. Mit Hietzinger Hauptstraße und Stranzenbergbrücke entstehen zwei neue Haltestellen, die bestehende Station Speising wird modernisiert.
Nach Abschluss des Ausbaus soll auf der S-Bahn-Strecke zwischen Hütteldorf und Meidling ein 15-Minuten-Takt möglich sein. Damit wird zugleich die West-Ost-Verbindung über Meidling und den Hauptbahnhof bis Aspern Nord aufgewertet.
Die Bauarbeiten werden über mehrere Jahre gestaffelt. Der nördliche Abschnitt wird zuerst umgesetzt, weitere Bauphasen folgen anschließend.
WK Wien fordert S-Bahn-Ring
Für die Wirtschaftskammer soll die modernisierte Verbindungsbahn zugleich Ausgangspunkt für einen weiteren Ausbau des Wiener S-Bahn-Netzes sein. Sie fordert langfristig einen geschlossenen S-Bahn-Ring, der insbesondere die Außenbezirke besser miteinander verbindet.
„Die Verbindungsbahn ist ein wichtiger Baustein, aber wir müssen weiterdenken. Wien braucht einen leistungsfähigen S-Bahn-Ring, der die Außenbezirke besser verbindet und Pendlerinnen und Pendlern attraktive Alternativen zum Auto bietet“, sagt Kriz-Zwittkovits.
Mit dem Baustart rückt zunächst jedoch die Verbindungsbahn selbst in den Mittelpunkt. Für den Wirtschaftsstandort wird entscheidend sein, ob die dichteren Verbindungen tatsächlich größere Arbeitskräfteeinzugsgebiete schaffen und die entlang der Strecke gelegenen Betriebs- und Geschäftsstandorte stärker an das öffentliche Verkehrsnetz anbinden.
