Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Günther Ofner, Vorstand der Flughafen Wien AG, bei der Unterzeichnung der Kooperation. (Foto: Carina Karlovits / HBF)
Der Flughafen Wien und die Heereslogistikschule des Österreichischen Bundesheeres haben eine Kooperation für Logistik und Ausbildung gestartet. Die Zusammenarbeit umfasst fünf Felder: Luftfrachtlogistik, Fahrzeugtechnik und Instandhaltung, Krisenlogistik, Qualitäts- und Prozesslogistik sowie die Ausbildung und Entwicklung von Fachkräften.
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner überreichte Flughafen-Wien-Vorstand Günther Ofner dazu die Urkunde als „Partner des Bundesheeres“. Hinter der formellen Partnerschaft steht vor allem das Ziel, ziviles Logistik-Know-how stärker für militärische Versorgung und Krisenvorsorge zu nutzen.
Eine besondere Rolle spielt dabei das Notfallmanagement. Flughafen und Heereslogistikschule wollen gemeinsame Übungen durchführen und die Abläufe für den Ernstfall erproben. Geplant sind außerdem Schulungen zur zivil-militärischen Zusammenarbeit bei Luftfrachtprozessen sowie Workshops und Erfahrungsaustausch zu Lagersteuerung, Gefahrguthandling, Qualitätssicherung und digitalen Logistiklösungen.
„Eine leistungsfähige Militärlogistik ist die Grundlage für Überlebensfähigkeit, Einsatzbereitschaft und Durchhaltefähigkeit unserer Streitkräfte“, sagt Tanner. Entscheidend sei dabei „die enge Zusammenarbeit zwischen Bundesheer, Wirtschaft sowie nationalen und multinationalen Partnern“.
Luftfracht-Know-how für die Krisenlogistik
Der Flughafen Wien bringt in die Partnerschaft vor allem seine Erfahrung als größter ziviler Luftfrachtstandort Österreichs ein. 2025 wurden am Airport 313.763 Tonnen Fracht abgefertigt. Neben klassischen Import- und Exportprozessen verfügt der Standort über Infrastruktur für Gefahrgut und temperatursensible Sendungen. Dieses Know-how soll künftig auch bei Katastrophenhilfe, Sondertransporten und resilienten Versorgungsketten stärker mit der Heereslogistikschule geteilt werden.
„Wenn es darauf ankommt, muss Logistik funktionieren – schnell, sicher und zuverlässig“, sagt Flughafen-Wien-Vorstand Günther Ofner. Von der engeren Zusammenarbeit bei der Logistikausbildung profitiere „vor allem die künftige Versorgungssicherheit Österreichs“.
Die Kooperation soll dabei über theoretischen Erfahrungsaustausch hinausgehen. Vorgesehen sind Fachbesuche am Flughafen, technische Hospitationen, Praktika, Schnuppertage und gemeinsame Lehrmodule.
Ausbildung als zweiter Schwerpunkt
Auf Seiten des Bundesheeres übernimmt die Heereslogistikschule die zentrale Rolle. Sie ist mit Standorten in Wien, Zwölfaxing und Großmittel die größte Bildungseinrichtung des Österreichischen Bundesheeres. Jährlich werden dort rund 3.000 Bedienstete in knapp 300 Curricula aus- und weitergebildet, darunter auch internationale Teilnehmer.
Auch der Flughafen sieht Potenzial für einen gegenseitigen Wissenstransfer. „Der fachliche Austausch mit der Heereslogistikschule stärkt beide Partner und eröffnet neue Möglichkeiten bei Schulungen, der Nachwuchsarbeit und gemeinsamen Übungen“, sagt Wolfgang Scheibenpflug, Geschäftsbereichsleiter Immobilien- und Standortmanagement der Flughafen Wien AG.
Die Partnerschaft rückt damit insbesondere die Schnittstelle zwischen ziviler und militärischer Logistik in den Vordergrund. Neben der Ausbildung dürfte vor allem die Frage an Bedeutung gewinnen, wie bestehende zivile Infrastruktur und logistisches Know-how in Krisensituationen rasch für Versorgung und Transport nutzbar gemacht werden können.
