Militärlogistik rückt Benelux und Nordwestdeutschland in den Fokus

24.07.2026 | Standort

Die steigenden Verteidigungsausgaben in Europa verändern zunehmend auch den Markt für Logistikimmobilien. Besonders die Benelux-Staaten sowie Teile Nordwestdeutschlands könnten nach Einschätzung von Garbe Industrial von der wachsenden Nachfrage nach militärischer Logistik profitieren.

Mit der sicherheitspolitischen Neuausrichtung Europas wächst nicht nur der Bedarf an Rüstungsgütern, sondern auch an den Flächen, über die Material, Fahrzeuge und Ausrüstung transportiert, gelagert und verteilt werden. Eine aktuelle Analyse von GARBE Industrial zeigt nun, welche Regionen für diese Entwicklung besonders gut aufgestellt sind.

Im Mittelpunkt steht dabei die militärische Mobilität – also die Fähigkeit, Truppen und Material schnell und zuverlässig durch Europa zu verlegen. Anders als klassische Logistikstandorte müssen entsprechende Immobilien nicht nur gut erreichbar sein. Entscheidend sind auch leistungsfähige multimodale Verkehrsnetze, die Nähe zu Seehäfen, belastbare Infrastruktur und grenzüberschreitende Transportkorridore.

„Die Immobiliennachfrage im Verteidigungsbereich lässt sich grundsätzlich in zwei Cluster unterteilen: den mobilitätsgetriebenen Bedarf der Militärlogistik sowie den fertigungsbedingten Bedarf. Beide folgen unterschiedlichen räumlichen Mustern“, erklärt Tobias Kassner, Head of Research bei GARBE Industrial. Das Whitepaper untersuche deshalb gezielt, „welche Standorte hiervon besonders an Bedeutung gewinnen könnten“.

Rotterdam führt das Ranking an

Für die Analyse entwickelte GARBE den sogenannten Defence Logistics Affinity Score (LOFIN). Er bewertet Gemeinden anhand von fünf Kriterien, darunter die Anbindung an das transeuropäische Verkehrsnetz (TEN-V), multimodale Verkehrsanbindungen, Autobahnen, Geländeeignung sowie die Effizienz grenzüberschreitender Zollprozesse.

Das Ergebnis zeigt, wie selektiv geeignete Standorte tatsächlich sind: Nur sechs Prozent der untersuchten Flächen in 25 europäischen Ländern erreichen mehr als fünf von maximal sieben Punkten.

Besonders stark schneiden die Niederlande und Belgien ab. Rund zwei Drittel ihrer Landfläche erreichen einen LOFIN-Wert von über fünf Punkten. Deutschland kommt auf 22 Prozent und liegt damit deutlich vor vielen anderen europäischen Logistikmärkten.

Angeführt wird das Ranking von Rotterdam, gefolgt von Antwerpen und Amsterdam. Dahinter folgen Straßburg sowie die deutschen Standorte Karlsruhe/Mannheim, Duisburg und Hamburg. Ebenfalls unter den zehn bestbewerteten Regionen finden sich Paris, Wien und Hannover.

Deutsche Logistikdrehscheiben profitieren

Innerhalb Deutschlands identifiziert die Studie vor allem Standorte entlang der großen europäischen Güterkorridore als besonders geeignet. Karlsruhe/Mannheim, Duisburg und Hamburg erreichen jeweils einen LOFIN-Wert von 6,6 Punkten, Hannover kommt auf 6,4 Punkte.

Nach Einschätzung von GARBE profitieren diese Regionen von ihrer Rolle als multimodale Verkehrsknotenpunkte zwischen Nordseehäfen, Binnenhäfen, Schiene und Straße.

„Die Kombination aus Rhein-Anbindung, leistungsfähiger Schiene und dichter Autobahnverflechtung schafft genau jene Redundanz und Resilienz, die für militärische Mobilität wesentlich ist“, erläutert Kassner mit Blick auf den Raum Karlsruhe/Mannheim.

Milliardeninvestitionen dürften Flächennachfrage erhöhen

Die Studie geht davon aus, dass Europas Verteidigungsausgaben bis 2030 auf rund 704 Milliarden Euro steigen werden. Daraus könnte sich nach Berechnungen von GARBE ein zusätzlicher Bedarf von 37 bis 75 Millionen Quadratmetern Industrie- und Logistikfläche ergeben. Da viele Objekte von den Nutzern selbst errichtet werden dürften, sieht das Unternehmen für den institutionellen Immobilienmarkt ein Nachfragepotenzial von 7,5 bis 14,9 Millionen Quadratmetern.

„Die europäische Aufrüstung schafft ein erhebliches Nachfragepotenzial für Industrie- und Logistikimmobilien“, sagt Kassner. Um dieses Potenzial zu erschließen, komme es vor allem darauf an, Standorte entlang leistungsfähiger Verkehrs- und Versorgungskorridore frühzeitig zu identifizieren. Die besten Voraussetzungen böten Regionen mit multimodaler Verkehrsanbindung, Autobahnanschluss und der Nähe zu Seehäfen.

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