Christian Kah, Head of Industrial & Logistics Germany bei Colliers. | © Colliers
Mit einem Flächenumsatz von 3,8 Millionen Quadratmetern übertraf der deutsche Industrie- und Logistikimmobilienmarkt das Vorjahresergebnis um 28 Prozent. Besonders dynamisch entwickelte sich das Vermietungsgeschäft, das gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 um 41 Prozent zulegte. Maßgeblich dafür war die Rückkehr großer Mietabschlüsse: Nachdem entsprechende Verträge im Vorjahr nahezu ausgeblieben waren, wurden in den ersten sechs Monaten bereits 13 Vermietungen mit mehr als 50.000 Quadratmetern registriert.
Zu den größten Abschlüssen zählen zwei Anmietungen asiatischer Unternehmen in Rieste und Oelde sowie eine Build-to-Suit-Entwicklung für das Bekleidungsmanagement der Bundeswehr in der Region Nürnberg.
Asiatische Unternehmen gewinnen an Bedeutung
Ein wesentlicher Nachfrageimpuls kommt zunehmend aus Asien. Der Anteil asiatischer Nutzer am gesamten Flächenumsatz stieg auf elf Prozent und lag damit deutlich über dem Vorjahresniveau. Besonders gefragt sind moderne Logistikstandorte mit direkter Anbindung an internationale Lieferketten, etwa in Frankfurt, Hamburg oder dem Ruhrgebiet.
Gleichzeitig stoßen viele internationale Unternehmen auf begrenzte Flächenverfügbarkeiten. Hinzu kommen teilweise kürzere Planungshorizonte und Bonitätsanforderungen, die Projektentwicklungen und Vermietungsprozesse erschweren.
Flächenmangel bleibt größter Bremsfaktor
Trotz steigender Nachfrage bleibt das Angebot moderner Logistikimmobilien knapp. Vor allem die schwache Neubaupipeline verhindert, dass zahlreiche Flächengesuche in den Kernmärkten realisiert werden können.
„Die aktuellen Kennzahlen deuten auf eine weiterhin moderate, zugleich aber klar erkennbare Erholung der Flächennachfrage hin“, erklärt Christian Kah, Head of Industrial & Logistics Germany bei Colliers. Ein zentraler limitierender Faktor bleibe jedoch „die Flächenknappheit in Verbindung mit einer schwachen Neubaupipeline, die nahezu alle Top-8-Logistikmärkte betrifft.“
Viele großflächige Gesuche müssten deshalb verschoben oder in Randlagen verlagert werden.
Frankfurt bleibt stärkster Markt
Unter den acht größten deutschen Logistikmärkten verzeichnete Frankfurt mit knapp 295.000 Quadratmetern den höchsten Flächenumsatz, gefolgt von Hamburg mit rund 181.000 Quadratmetern. Während Frankfurt sowohl gegenüber dem Vorjahr als auch im Fünfjahresvergleich zulegen konnte, blieb Hamburg aufgrund fehlender verfügbarer Flächen hinter dem Vorjahresniveau zurück.
Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 26 Großabschlüsse registriert. Gleichzeitig verschiebt sich die Nachfrage zunehmend in kleinere Flächensegmente: Rund 63 Prozent aller Vermietungen entfielen auf Einheiten unter 3.000 Quadratmetern.
Mieten steigen weiter
Auch die Mietpreise entwickelten sich weiter nach oben. Die Durchschnittsmieten legten in den Top-8-Märkten um fünf Prozent zu, die Spitzenmieten um drei Prozent. Besonders stark fiel der Anstieg in Frankfurt aus, wo sowohl Neubau- als auch Bestandsflächen deutlich teurer wurden.
„Für ein weiteres Mietwachstum sind drei zentrale Faktoren entscheidend: eine steigende Nachfragedynamik, ein geeignetes, zugleich knappes Flächenangebot und zahlungsbereite Nutzer“, sagt Christian Kah.
Für die zweite Jahreshälfte erwartet Colliers eine weitere Belebung des Vermietungsmarktes. Zusätzliche Impulse dürften vor allem von den zahlreichen bereits vorliegenden Flächengesuchen ausgehen, auch wenn die Angebotsknappheit den Markt weiterhin begrenzen dürfte.
