Auch beim Umstieg auf emissionsärmere Transporte sieht die Branche Hürden. | © MAR
Zeitkritische Luftfrachtsendungen sind auf reibungslose Prozesse angewiesen. Nach Ansicht der Branche verhindert jedoch vor allem der unzureichende Digitalisierungsgrad eine effizientere Abwicklung.
„Wenn wir über Luftfracht sprechen, dann sind Schnelligkeit und Flexibilität zentrale Faktoren. Wichtig ist, dass alle Partner flexibel agieren und digitale Schnittstellen haben. Das ist noch stark ausbaufähig und könnte wertvolle Zeit einsparen“, sagte Sarah Scheibe, Geschäftsführerin von TCE (Total Cargo Expertise).
Auch Nina Strippel, Geschäftsführerin von Wallenborn Germany, sieht erheblichen Nachholbedarf: „Als Passagier ist es heute möglich, sich nahezu dokumentenfrei zu bewegen. Bei der Luftfracht ist das in vielen Prozessen noch nicht der Fall.“ Papierbasierte Luftfrachtbriefe, Medienbrüche und fehlende Schnittstellen würden gerade bei zeitkritischen Sendungen wertvolle Zeit kosten.
Fahrermangel verschärft die Situation
Zusätzlich belastet der anhaltende Fahrermangel die Luftfracht- und RFS-Branche. Christine Reischl, Geschäftsführerin der Georg Reischl Spedition, verwies auf steigende Anforderungen an Berufskraftfahrer: „Heute wird eine Berufsqualifikation statt nur einen Führerschein benötigt, was die Kosten für angehende Berufskraftfahrer in die Höhe treibt.“
Für Sarah Scheibe reicht es allerdings nicht aus, lediglich auf die Kosten zu blicken: „Wir befinden uns immer noch in einem Wettbewerb, also müssen Lösungen her, um dieses und andere Probleme zu lösen, damit wir als Luftfrachtstandort Deutschland nicht hinterherhängen.“
Nachhaltigkeit braucht bessere Rahmenbedingungen
Auch beim Umstieg auf emissionsärmere Transporte sieht die Branche Hürden. Hohe Anschaffungskosten für E-Lkw und eine unzureichende Ladeinfrastruktur erschweren den Einsatz im internationalen Luftfrachtersatzverkehr.
„Für zeitkritische internationale RFS-Verkehre brauchen wir Lösungen, die heute betriebssicher funktionieren. Nachhaltigkeit darf nicht nur am Fahrzeug gemessen werden, sondern auch an Auslastung, Leerfahrten, Wartezeiten, Kraftstoffoptionen und planbaren Netzwerken“, betonte Nina Strippel.
Bis sich die Rahmenbedingungen verbessern, sieht Christine Reischl in Lang-Lkw eine praktikable Lösung zur Reduzierung von CO₂-Emissionen. „Erst wenn sich die Rahmenbedingungen für E-LKW verbessern, lohnt es sich, zu investieren“, sagte sie.
Branche fordert politische Unterstützung
Neben technischen und personellen Herausforderungen sehen die Unternehmen vor allem die Politik in der Pflicht. Gefordert werden schnellere Digitalisierungsmaßnahmen, einheitliche europäische Regelungen sowie bessere Voraussetzungen für alternative Antriebe.
Auch Prof. Dr. Christopher Stoller, Präsident des aircargo club deutschland, appellierte an die Politik: „Der Luftfrachtstandort Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Dafür brauchen wir starke RFS-Anbieter, Speditionen und weitere Beteiligte der Luftfrachtkette, die Lösungen aktiv vorantreiben und dabei auch die notwendige politische Unterstützung erfahren, um den Stau aufzulösen.“
