Christian Holzhauser (WKW), Michael Kopp (Land NÖ), Franz Schwammenhöfer (BMIMI) Sarah Bittner-Krautsack (Stadt Wien), Beate Färber-Venz (WK NÖ), Andrea Faast (WKW), Christian Moser (WK NÖ), Patrick Hartweg (WK NÖ) | © Logistik 2030+ / Tristan Brucker
Mehr als 70 Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft haben beim Logistik 2030+ FORUM 2026 in der Wirtschaftskammer Wien über die Zukunft des Logistikstandorts Wien-Niederösterreich diskutiert. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen weniger strategische Absichtserklärungen als konkrete Projekte und Maßnahmen, mit denen sich Lieferketten, urbane Logistik und nachhaltige Mobilität weiterentwickeln lassen.
Zum Auftakt stellten Vertreter des Landes Niederösterreich, des Bundes sowie der Stadt Wien aktuelle Strategien vor. Präsentiert wurden unter anderem die Strategische Agenda Logistik 2030+, die Logistikstandortstrategie der Bundesregierung sowie der Masterplan Urbane Logistik der Stadt Wien. Ergänzend wurde mit „Zero Emission Charging“ ein laufendes Praxisprojekt der Wirtschaftskammer Wien vorgestellt.
Sechs Themenfelder für die Logistik der Zukunft
Im Zentrum des Forums standen Workshops zu sechs Schlüsselthemen: urbane Logistik, Last Mile, Baustellenlogistik, Zero Emission, Datenmanagement sowie Standortentwicklung und Innovation.
Dabei arbeiteten interdisziplinäre Teams an konkreten Lösungsansätzen, die künftig in Projekte der Plattform Logistik 2030+ einfließen sollen. Bereits heute wurden im Rahmen der Initiative 16 Kooperationsprojekte umgesetzt.
Urbane Logistik neu denken
Ein Schwerpunkt lag auf der Weiterentwicklung der City-Logistik. Diskutiert wurden digitale Ladezonen, Mikro-Hubs, multifunktionale Parkgaragen sowie eine stärkere Berücksichtigung logistischer Anforderungen in der Stadtplanung.
Die Teilnehmenden waren sich einig, dass urbane Logistik weit mehr umfasst als klassische Paketzustellung. Auch Handwerks- und Serviceverkehre müssten künftig stärker in Planungsprozesse integriert werden.
Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass zusätzliche Umschlagpunkte zwar neue Möglichkeiten eröffnen, jedoch auch zusätzliche Kosten und Zeitaufwand verursachen.
Zero-Emission-Logistik und intelligente Ladeinfrastruktur
Im Bereich emissionsfreier Logistik spielte der Aufbau gemeinschaftlich genutzter Ladeinfrastruktur eine zentrale Rolle. Das sogenannte Partner-Charging soll Unternehmen ermöglichen, Ladepunkte gegenseitig zu nutzen und damit bestehende Infrastruktur effizienter auszulasten.
Neben rechtlichen Rahmenbedingungen diskutierten die Teilnehmer auch über Lkw-Ladeparks, einheitliche Buchungsplattformen und automatisierte Ladesysteme. Ergänzend wurden nicht-monetäre Anreize wie Zero-Emission-Zonen als mögliche Instrumente für die weitere Elektrifizierung des Güterverkehrs genannt.
Daten und Innovation als Schlüssel
Ein weiterer Schwerpunkt war der Umgang mit Logistikdaten. Obwohl zahlreiche Daten bereits verfügbar seien, fehlten bislang gemeinsame Standards, Austauschformate und klare Regelungen für deren Nutzung. Gleichzeitig müssten Datenschutz und Unternehmensinteressen berücksichtigt werden.
Auch bei der Entwicklung neuer Logistikstandorte und der Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene sehen die Beteiligten weiteres Potenzial. Diskutiert wurden innovative Schienenprojekte, zusätzliche Terminalkapazitäten sowie neue Nutzungskonzepte für bestehende Infrastruktur.
Plattform soll Zusammenarbeit weiter stärken
Zum Abschluss zog Werner Pracherstorfer vom Land Niederösterreich ein positives Fazit. Das Forum habe gezeigt, dass die Plattform Logistik 2030+ als praxisnahes Netzwerk funktioniere und eine solide Grundlage für weitere Projekte zur Stärkung des Logistikstandorts Wien-Niederösterreich geschaffen habe.
Der Tenor der Veranstaltung war eindeutig: Eine leistungsfähige Logistik benötigt sektorübergreifende Zusammenarbeit, verlässliche Rahmenbedingungen und praxistaugliche Lösungen, die sich rasch umsetzen lassen.
