Parallel zur eingetrübten Stimmung ziehen auch die Transportpreise an. | © TIMOCOM
Laut der Befragung von mehr als 270 Experten aus Speditionen, Transportunternehmen sowie Industrie und Handel bewerten 52,4 Prozent die aktuelle Marktlage als eher schlecht oder sehr schlecht. Noch zu Jahresbeginn überwogen die positiven Einschätzungen deutlich. Damals stuften 58 Prozent die Situation positiv ein, inzwischen hat sich das Verhältnis nahezu umgekehrt.
Als Gründe nennen die Unternehmen vor allem geopolitische Unsicherheiten, steigende Betriebskosten und eine schwieriger werdende Planbarkeit von Transporten. Besonders die Entwicklungen im Nahen Osten und die damit verbundenen Risiken für die Energieversorgung wirken sich auf die Branche aus.
Marktlage hängt von der Rolle in der Lieferkette ab
Die Bewertung fällt je nach Geschäftsmodell unterschiedlich aus. Unternehmen mit eigenen Kapazitäten, stabilen Subunternehmernetzwerken oder langfristigen Kundenbeziehungen berichten weiterhin von einer guten Auslastung. Deutlich kritischer sehen hingegen Verlader und Spediteure die Situation, die verstärkt mit steigenden Einkaufspreisen, knappen Transportkapazitäten und sinkenden Margen konfrontiert sind.
„Die Umfrage zeigt einen Transportmarkt, der nicht pauschal als schwach beschrieben werden kann, aber deutlich unter Druck steht“, sagt Gunnar Gburek, Head of Business Affairs bei TIMOCOM. Besonders Industrie- und Handelsunternehmen sowie deren Spediteure würden aktuell den Verfügbarkeits- und Kostendruck spüren.
Transportpreise steigen weiter
Parallel zur eingetrübten Stimmung ziehen auch die Transportpreise an. Nach Daten der TIMOCOM-Frachtenbörse lagen die durchschnittlichen Spotmarktpreise in Deutschland zwischen Januar und Mai 2026 durchgehend über dem Vorjahresniveau. Im Mai boten Auftraggeber durchschnittlich 2,19 Euro pro Kilometer und damit mehr als 17 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Zu den größten Herausforderungen zählen laut den Befragten steigende Kosten für Diesel, Maut und Betrieb, fehlende Lkw-Kapazitäten sowie der anhaltende Fahrermangel. Hinzu kommen längere Lieferzeiten und ein wachsender Planungsaufwand.
Effizienz wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor
Angesichts des Kostendrucks rückt die effizientere Nutzung vorhandener Kapazitäten stärker in den Fokus. TIMOCOM empfiehlt Unternehmen, Transporte stärker zu bündeln, Leerfahrten zu vermeiden und digitale Planungswerkzeuge einzusetzen. Auch alternative Antriebe könnten langfristig dazu beitragen, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren.
„Logistikunternehmen müssen effizienter agieren, weil höhere Kosten nicht immer vollständig weitergegeben werden können“, sagt Gburek. Industrie und Handel stünden selbst unter erheblichem Wettbewerbsdruck und könnten Preissteigerungen nur begrenzt an ihre Kunden weiterreichen.
