Gas aus Afrika mögliche Lösung für Europa

31.03.2026 | Wirtschaft

Energieträger aus Afrika könnten Europas Engpass abfedern, doch die Zuverlässigkeit ist fraglich.

Die Europäische Union steht erneut vor einer Zerreißprobe: Die Abkehr vom russischen Gas ist gelungen, doch neue geopolitische Spannungen zeigen, wie fragil die Energieversorgung bleibt. Während der Iran-Konflikt die Produktion im Persischen Golf drosselt und die Gaspreise im Großhandel explodieren, rückt Afrikas Flüssigerdgas (LNG) ins Zentrum der Debatte. Kann der Kontinent Europas akute Versorgungslücken schließen – und langfristig zur Stabilität beitragen?

Ungenutztes Potenzial
Afrika deckte 2025 bereits über 17 Prozent des europäischen LNG-Bedarfs, erklärt Sean Harrison, Analyst bei der britischen Energie-Beratungsfirma Wood Mackenzie. Die Lieferungen stammen vor allem aus Algerien, Nigeria und Angola, doch auch kleinere Produzenten wie Äquatorialguinea, Mauretanien, Senegal und Kamerun gewinnen an Bedeutung. 
Doch das wahre Potenzial ist enorm: Laut BP besitzen Afrikas Erdgasvorkommen mit 12,9 Billionen Kubikmetern ein größeres Volumen als die der USA. Da der Kontinent bislang nur unzureichend erkundet wurde, könnte der tatsächliche Anteil an den globalen Reserven doppelt so hoch sein.

Mosambik und Westafrika im Fokus
Besonders Mosambik könnte zum Game-Changer werden. Die Projekte von TotalEnergies und ExxonMobil versprechen eine jährliche Produktion von mehr als 30 Millionen Tonnen LNG – doch Terroranschläge verzögern den Start. Trotz der Risiken werden solche Projekte in einem angespannten Markt neu bewertet, solange langfristig größere Liefermengen in Aussicht stehen. Mit einem LNG-Umsatz in der Dimension von Millionen Tonnen pro Jahr und schwimmenden Verflüssigungsanlagen sind schnelle Lieferungen auf kurzen Transportwegen nach Europa möglich. 

Langfristige Chance
Laut dem Forum Gas Exportierender Länder (GECF) könnte Afrika bis 2050 fast ein Viertel der weltweiten Investitionen in LNG-Verflüssigungsanlagen auf sich ziehen. 

Für Europa zählt aktuell jeder Tag. Die Frage ist nicht nur, ob Afrikas Gas die aktuelle Krise lindern kann, sondern auch, ob die Infrastruktur schnell genug ausgebaut wird, um die Abhängigkeit von anderen unsicheren Lieferanten zu verringern. Ohne Afrika wird Europas Energiezukunft voraussichtlich schwieriger und teurer.

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