Foto: LTE-Group / Barus
Die LTE-Group hat im Jahr 2025 rund 18.100 Züge gefahren und damit elf Millionen Netto-Tonnen Waren quer durch Europa transportiert. „Der Marktplatz ist hart umkämpft. Neben dem Dumping von Seite der Straße fahren vor allem die Incumbants oft für einen ‚Apfel und ein Ei‘, nur um irgendwie Umsatz zu machen“, skizziert Andreas Mandl, CEO der LTE-Group, die aktuelle Situation.
Die gesunkenen beziehungsweise stark schwankenden Transportmengen infolge der allgemeinen wirtschaftlichen Lage belasten das Ergebnis spürbar. Mandl formuliert es zugespitzt: „Wer Geld verdienen will, sollte sich nach anderen Möglichkeiten umschauen. Wer Eisenbahn spielt, braucht heutzutage tiefe Taschen und einen langen Atem.“
Infrastruktur als Dauerbaustelle
Zu den größten Herausforderungen zählen Einschränkungen bei der Infrastruktur. Streckensperren und die damit verbundenen Umleitungen erschweren den Betrieb der EVU erheblich. Hinzu kommen knapper werdende Kapazitäten bei Diesellokomotiven sowie Unsicherheiten bei der optimalen Konfiguration der E-Lok-Flotte – insbesondere im Hinblick auf die Ausrüstung wichtiger Strecken mit ETCS.
Die LTE-Gruppe ist derzeit in 13 europäischen Ländern mit eigener Traktion unterwegs. Die kürzeste Verbindung besteht auf der Strecke Koper–Graz mit drei täglichen Fahrten, während die längste Relation vom Baltikum bis nach Bulgarien führt. Insgesamt bewirtschaftet das EVU mit rund 700 Mitarbeitern eine Flotte von 129 Lokomotiven und 800 Waggons.
Stabilität als oberstes Ziel
Für Mandl und sein Team steht heuer vor allem eines im Fokus: Stabilität. „Wir adaptieren sowohl unsere Produktionsmodelle als auch die Aufstellung der notwendigen Ressourcen. Wir versuchen, das kurzfristig und mittelfristig immer schwerer Berechenbare ein Stück weit planbarer zu machen und die Reaktionsfähigkeit zu erhöhen.“ Parallel dazu werden Vermarktung und Produktion intensiviert, um eine größere kritische Masse zu erreichen und Effizienzgewinne sowie Bündelungseffekte zu heben.
Auch an die Politik richtet Mandl klare Worte und fordert mehr Umsetzungskompetenz. „Wir alle verstehen, dass die Politik gerne eine positive Presse hat, aber die wirklichen Probleme lassen sich mit 1.000 Zügen in 100 Tagen nicht wegjubeln.“ Über Jahrzehnte sei die Schiene in Europa zugunsten der Straße vernachlässigt worden. Gleichzeitig werde heute erwartet, dass Güter „von A wie Abfall bis Z wie Zucker“ auf die Bahn verlagert werden.
Die Koralmbahn sieht man auf der Relation Graz–Koper grundsätzlich als willkommene Alternative, weil sie Baustellen im slowenischen Netz umfahren hilft. Allerdings sind die Kapazitäten begrenzt, zudem genießt der Personenverkehr auf der neuen Strecke Vorrang. Auch die Verbindung von Tarvisio nach Triest bezeichnet Mandl eher als „Fleckerlteppich“ denn als leistungsfähige Güterverkehrsachse.
Sein Fazit: „Wirklich Sinn für den Güterverkehr hat die Koralmbahn erst mit Fertigstellung des Semmering-Tunnels“.
