Rail Cargo Group im Gegenwind

20.03.2026 | Schiene

Schwache Industriekonjunktur, steigender Wettbewerb und strukturelle Nachteile gegenüber dem Lkw setzen dem Bahnverkehr zu. Die RCG reagiert mit einem Restrukturierungsprogramm und einem stärkeren Fokus auf Effizienz.

Die ÖBB Rail Cargo Group zählt die schwache Industriekonjunktur auf den Kernmärkten derzeit zu den größten Herausforderungen. Seit 2023 befindet sich Zentraleuropa in einer industriellen Rezession. „Das führt neben einer verhaltenen Mengenentwicklung zu einem sukzessive intensiven Wettbewerb am Logistikmarkt“, erklärt Clemens Först, CEO der RCG, gegenüber Verkehr. In Summe treffen derzeit drei Entwicklungen zusammen: niedrige Mengen, zunehmender Preiswettbewerb und strukturelle Wettbewerbsnachteile der Schiene gegenüber der Straße.

Die RCG bietet Bahnlogistikdienstleistungen in 18 Ländern an, in 14 Ländern fährt das Unternehmen mit eigener Traktion. Das Produktionsnetz sichere eine hohe Qualität entlang der gesamten Logistik- und Transportkette. Kunden erhalten damit eine länderübergreifende Traktion aus einer Hand – mit modernen Triebfahrzeugen, kürzeren Transportzeiten und verbesserter Pünktlichkeit, ist Först überzeugt. „Für 2026 erwarten wir noch keinen nennenswerten Aufschwung der industriellen Konjunktur, was unser Restrukturierungsprogramm Phönix umso wichtiger macht“.

Zu den Maßnahmen dieses Programms gehört unter anderem das Einstellen von Produkten, die im aktuellen Umfeld gegenüber der Straße nicht wettbewerbsfähig sind. Gleichzeitig soll eine schlankere Organisation helfen, Qualität und Profitabilität zu steigern.

Modal-Split in Europa erhöhen

Först verweist darauf, dass Österreich beim Modalanteil der Bahn im europäischen Vergleich eine Vorreiterrolle einnimmt. Da Güterverkehr jedoch überwiegend international stattfindet, setzt sich die RCG auch auf europäischer Ebene dafür ein, den Modal-Split zumindest auf das österreichische Niveau von rund 28 Prozent anzuheben. Voraussetzung dafür seien jedoch klare politische Rahmenbedingungen. Es brauche faire verkehrspolitische Regeln, die europaweit gelten. Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssten die Voraussetzungen für einen Wettbewerb zwischen Straße und Schiene auf Augenhöhe schaffen – einschließlich der Berücksichtigung externer Kosten wie CO₂-Emissionen, Unfall- oder Staukosten.

Darüber hinaus sei eine europaweit koordinierte und leistungsfähige Infrastruktur notwendig. Einen Zug durch Europa zu fahren, müsse ebenso einfach sein wie einen Lkw zu disponieren.

Einzelwagenverkehr bleibt strategischer Kern

Seit Oktober 2025 ist die RCG auch in Belgien mit eigener Traktion unterwegs. Först: „Wir schaffen erstmals eine direkte Eigentraktion zu den Häfen Zeebrugge und Antwerpen, zwei der wichtigsten Güterumschlagplätze Europas“. Das Ziel sei klar definiert: „Wir wollen unsere Marktposition im westeuropäischen Raum weiter ausbauen, neue Kunden gewinnen und bestehenden Partnern ein noch breiteres Leistungsangebot bieten“.

Als einziges Bahnunternehmen betreibt die RCG in Österreich zudem ein flächendeckendes Einzelwagennetz mit mehr als 420 Bedienstellen. Dieses Geschäft gehöre zur DNA des Unternehmens, betont der CEO. Fast die Hälfte aller Schienentransporte in Österreich wird über Einzelwagenverkehre abgewickelt – sie gelten als zentrale Stütze für den hohen Bahnanteil am Gesamtverkehr. Betriebswirtschaftlich ist das System jedoch äußerst personal- und kostenintensiv. „Wir konkurrieren dabei mit dem Lkw, der kostengünstiger anbieten kann, aber seine externen Kosten auf die Allgemeinheit abwälzt“.

Das Fazit von Först fällt klar aus: „Ja, wir halten am Einzelwagenverkehr fest als klares Bekenntnis zur nachhaltigen Vernetzung der österreichischen Wirtschaft. Aber wir sind auf die richtigen verkehrspolitischen Rahmenbedingungen angewiesen“.

Tags: Bahnlogistik | EWV | ÖBB | RCG

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