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Nach fast zwei Jahrzehnten Verhandlungen haben sich die Europäische Union und Indien auf ein weitreichendes Handelsabkommen geeinigt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, EU-Ratspräsident António Costa und der indische Premierminister Narendra Modi stellten das Abkommen in Neu-Delhi vor. Für Indien handelt es sich wohl um das größte Freihandelsabkommen seiner Geschichte. Von der Leyen meint dazu: „Zwei Giganten, die sich für Partnerschaft entscheiden”.
Das Abkommen gilt als strategischer Schritt beider Seiten, um ihre wirtschaftlichen Beziehungen angesichts geopolitischer Spannungen, insbesondere mit den USA, breiter aufzustellen. Gemeinsam repräsentieren die EU mit rund 450 Millionen Menschen und Indien mit mehr als 1,45 Milliarden Einwohnern nahezu ein Viertel der Weltbevölkerung und des globalen Bruttoinlandsprodukts. Neben dem Abbau von Handelshemmnissen sieht der Deal auch eine engere Zusammenarbeit bei Investitionen, Lieferketten und in Sicherheitsfragen vor.
Voraussichtlich wird die europäische Industrie Rückenwind erfahren, allen voran die Autohersteller. Indien will die bisher hohen Einfuhrzölle von bis zu 110 Prozent auf Fahrzeuge aus der EU für ein Kontingent schrittweise auf zehn Prozent senken. Für Autoteile sollen die Zölle innerhalb von fünf bis zehn Jahren vollständig entfallen. Auch hohe Abgaben auf Maschinen, Chemikalien und Pharmazeutika werden weitgehend abgebaut. Empfindliche Agrarsektoren in Europa bleiben hingegen ausgenommen.
Die EU erwartet, dass sich ihre Exporte nach Indien bis 2032 verdoppeln könnten. Zollsenkungen würden Europa Einsparungen von rund vier Milliarden Euro pro Jahr bringen. Bis zum Inkrafttreten dürfte es jedoch noch dauern: Der Vertragstext muss rechtlich geprüft und sowohl vom Europäischen Parlament als auch von den Mitgliedstaaten gebilligt werden.
