v.l.n.r.: Fabian Karsten (Timocom), Erich Schatz (Cargo Partner), Gerald Schimanek (DHL Global Forwarding), Georg Reisinger und Simon Brandl (LogServ), Andreas Breinbauer (FH des BFI Wien); (Bild: © VNL)
Der Verein Netzwerk Logistik (VNL) lud unter dem Titel „Entwicklung bei Kosten und Kapazitäten, leistungsstarke Transportketten: Besser planen, besser entscheiden“ zum traditionellen und sehr gut besuchten „Powerday Transportmanagement“ ins voestalpine Gästehaus nach Linz ein. Im Fokus standen die konjunkturellen Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die nationalen und internationalen Warenströme in den Segmenten der Straße, Bahn, See- und Luftfracht. Zusätzlich wurden best practice Beispiele in der Logistik aufgezeigt.
Der europäische Transport- und Logistikmarkt steht 2026 vor einem Jahr erhöhter Unsicherheit und struktureller Engpässe. Sanierungsarbeiten im deutschen Bahnnetz verschärfen den Kapazitätsdruck über alle Verkehrsträger hinweg, während der Straßengüterverkehr trotz konjunktureller Stagnation klar frachtgetrieben bleibt. In der Seefracht sorgen Routenunsicherheiten, Hafenüberlastungen und geopolitische Risiken weiterhin für volatile Raten. Branchenexperten sehen Kapazitätsmangel, Kostenvolatilität und geopolitische Spannungen als zentrale Einflussfaktoren für das kommende Jahr.
VNL-Obmann Stellvertreter Kurt Leidinger unterstrich:
„Die Sanierungsarbeiten im deutschen Bahnnetz werden 2026 zum entscheidenden Stresstest für den europäischen Frachtverkehr. Was auf der Schiene verloren geht, schlägt unweigerlich auf LKW-Verkehr und Binnenschifffahrt durch – mit spürbaren Kapazitätsengpässen und steigender Preissensibilität über alle Verkehrsträger hinweg. Wer sich nicht frühzeitig über Kontrakte absichert, wird diese Volatilität unmittelbar zu spüren bekommen.
In der Seefracht sorgt die Rückkehr des Far-East-Trades über den Suez-Kanal zwar für Entlastung, birgt jedoch neue Risiken: Port-Congestions (Hafenüberlastungen) und geopolitische Unsicherheiten bleiben die zentralen Treiber der Ratenentwicklung. Gerade die Port-Congestions wirken wie ein Stau im Nadelöhr der globalen Lieferketten – und ihre Effekte ziehen sich weit über den Hafen hinaus durch alle Verkehrsträger.“
Mit dem „Marktausblick Straßengüterverkehr 2026“ lieferte Fabian Karsten, Team Lead Sales & Industry Europe bei TIMOCOM, datenbasierte Insights für alle, die Straßentransporte in Österreich und Europa steuern. Die neuesten TIMOCOM-Transportbarometerdaten belegen: Der Markt bleibt trotz konjunktureller Stagnation frachtgetrieben, und die europaweiten Frachteingaben lagen 2025 insgesamt 21% über Vorjahr – in transportintensiven Regionen bleibt es damit ein klarer Auftragnehmermarkt. Österreich zeigt dabei eine markante Verschiebung: Der Binnenmarkt stieg im 4. Quartal 2025 um 22%, während Auslandsrelationen aus Österreich im selben Zeitraum um 13% zurückgingen; Deutschland bleibt wichtigstes Zielland, zugleich gewinnt Italien weiter an Bedeutung.
Für Fabian Karsten ist klar: „2026 werden Kapazitätsmangel, Kostenvolatilität und Cybersecurity die Taktgeber sein. Wer Kooperation, Transparenz und digitale Tools inklusive KI in der Disposition konsequent nutzt, schafft Planungssicherheit und Wettbewerbsvorteile.“
In seinem Marktausblick zur Seefracht betonte Gerald Schimanek (Head of Oceanfreight Austria & Adriatic Region, DHL Global Forwarding (Austria) GmbH):
„Die globale Containernachfrage wächst 2026 weiter, jedoch nur moderat, während die tatsächliche Transportkapazität durch Suez Umleitungen und zunehmende Hafenstaus eingeschränkt bleibt. Eine stabile Rückkehr zur Suezroute wird frühestens für die zweite Hälfte 2026 erwartet und dürfte zunächst weitere Unregelmäßigkeiten verursachen. Die Frachtraten steigen bis zum chinesischen Neujahr weiter an und bleiben insgesamt volatil, getrieben durch geopolitische Risiken und GRIs. Gleichzeitig verlagert sich das Wachstum zunehmend auf sekundäre asiatische Handelsrouten, während klassische Märkte wie Nordamerika an Dynamik verlieren.“
Erich Schatz (Chief Operating Officer Overseas, cargo-partner):
„Die Transport- und Logistikbranche wird auch 2026 nahtlos an die globalen Herausforderungen anknüpfen, die sie in den letzten Jahren prägten: politische Konflikte, Zölle, Sanktionen, Investitionskontrollen oder Exportbeschränkungen sind Faktoren, die uns weiterhin eine turbulente Zeit erwarten lassen. Das aktuell stattfindende Weltwirtschaftsforum in Davos prägte diesbezüglich im Vorfeld den Begriff „geoökonomischer Konfrontationen“. Wirtschaft wird zunehmend nicht mehr zur Schaffung von Wohlstand, sondern zur robusten Durchsetzung politischer Vorgaben verwendet, wie China und die USA eindrucksvoll vorzeigen. Wir stehen womöglich vor einer Zeitenwende und die Logistikwelt muss – ähnlich wie die EU – versuchen, diese turbulenten Fahrwasser sicher und zuverlässig zu durchschiffen. Zudem ist Volatilität kein Ausnahmezustand mehr – sie ist auch im Luftfrachtmarkt der neue Standard.

Auf einen Blick:
- Straßengüterverkehr bleibt frachtgetrieben: Europas Straßengüterverkehr bleibt frachtgetrieben, Österreich mit starkem Binnenmarkt – digitale Tools und KI werden zum Wettbewerbsfaktor.
- See- und Luftfracht unter Dauerstress: Eingeschränkte Kapazitäten, volatile Raten und geoökonomische Konflikte prägen die Planung 2026.
- Bahn als Nadelöhr: Die Sanierungsarbeiten im deutschen Bahnnetz werden 2026 zum entscheidenden Stresstest für den europäischen Frachtverkehr.

VNL: Das Wirtschaftsnetzwerk für Logistik
Der VNL (Verein Netzwerk Logistik) ist mit über 6.200 Mitgliedern das größte Wirtschaftsnetzwerk im Bereich Logistik in Österreich. Im Zentrum steht, die aktuellen und zukünftigen Anforderungen an die Logistik mit den korrespondierenden Lösungen aus Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Unternehmen, Technologietransferstellen, Technologiezentren und privaten Logistikgesellschaften zusammenzubringen. Diese aktive Vernetzung stärkt die Logistikkompetenz der Unternehmen als auch ihrer Mitarbeiter:innen und trägt wesentlich zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft sowie Versorgungssicherheit bei. Der VNL organisiert jährlich über 60 Logistik-Veranstaltungen und über 50 Seminare, nimmt laufend an nationalen und internationalen Forschungsprojekten teil, tritt regelmäßig beratend im institutionellen Bereich auf und ist Gründungsmitglied des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII). Darüber hinaus unterstützt der VNL als Gründungsmitglied die Dachmarke „AUSTRIAN LOGISTICS“, eine Initiative des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI), welche die exzellenten weltweit erbrachten Leistungen österreichischer Logistik hervorhebt. Der VNL vertritt außerdem die Interessen der heimischen Logistik in der European Logistics Association (ELA).
Weitere Informationen auf der Website von VNL.

