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„Wir müssen uns mit der Aus- und Weiterbildung beschäftigen“

Foto: Verkehr / Moni Fellner
Transdanubia habe Kompetenzen in verschiedenen Bereichen und kann diese ausbauen, sagt Kurt Leidinger.
Foto: Verkehr / Moni Fellner

Der Wechsel Kurt Leidingers von DB Schenker in die Geschäftsführung von Transdanubia überraschte die Branche. Im Interview mit Verkehr erklärt er, welche Pläne er für die Zukunft schmiedet.

von: Bernd Winter

Verkehr: Herr Leidinger, Sie waren lange Zeit bei DB Schenker in einer führenden Position tätig und wechselten dann zur familiengeführten Spedition Transdanubia. Wie kam es dazu?
Kurt Leidinger:
Nach 35 Jahren bei einem Konzern hat man das Bedürfnis, den endlosen Vorschriften und Hierarchien zu entkommen. Ein Familienunternehmen ist erfrischend klar und direkt.

Welche „Duftmarken“ wollen Sie bei Transdanubia setzen?
Leidinger:
Transdanubia verfügt über riesiges Potenzial und verschiedene Möglichkeiten. Dazu gehören seine Kompetenzen, wie z.B. die Tiefkühllogistik und seine Schnelligkeit. Aus diesem Asset möchte ich etwas machen. Konzerne tun sich schwer mit Spezialanforderungen, weil sie große Systeme unterhalten, die auch große Mengen benötigen. Aber genau da können wir ­ansetzen. Wir können auf individuelle Anforderungen schnell reagieren – sofern sie sich rentieren. Da wird sich für uns die eine oder andere Tür öffnen.

Transdanubia ist breit auf­gestellt. Welche sind aber die wirtschaftlich stärksten Bereiche des Unternehmens?
Leidinger:
Wir haben zwei große Bereiche: die Lagerlogistik und Transporte. Im letzteren Bereich machen Tiefkühltransporte den größten Teil aus – da hat Transdanubia enorme Kompetenzen. Das Unternehmen kommt aus dem Lkw-Transport und hat früh begonnen, den „einfachen“ Transport von A nach B weiterzudenken bzw. Transporte zu suchen, die mehr Know-how, Finesse und technischen Einsatz benötigen, um so einen Mehrwert für die Kunden zu bieten. Am Anfang spielte dabei die Tiefkühlware eine große Rolle. Wir haben uns dann aber weiterentwickelt. Auch die Lager­logistik ist ein nicht zu vernachlässigender Teil unseres Geschäfts, aber in Wahrheit optimiert sie unsere Transportmöglichkeiten.

Der E-Commerce-Markt für ­Lebensmittel in Österreich ist noch überschaubar, wächst aber stetig. Planen Sie, auch dieses Segment zu bedienen?
Leidinger:
B2C hat Vor- und Nachteile. Wenn man ein Buch online bestellt und es wird beim Nachbarn abgegeben, dann ist das was anderes, als wenn es sich um eine Packung Milch handelt. Der Online-Handel mit Lebensmitteln zum Endverbraucher ist terminlich strikt und der Kunde muss auch wirklich zu Hause anwesend sein. Hier sind die organisatorischen Hürden noch sehr groß.

Wo soll denn die Reise von Transdanubia hingehen – in den Tiefkühl-Bereich oder eher in neuen Geschäftsfeldern?
Leidinger:
Sinnvollerweise setzen wir dort an, wo wir über Jahrzehnte angesammelte Kompetenzen haben. Es wäre fatal, wenn wir diese nicht nutzen würden. Man kann hier ­sicher aufbauen. Ich werde aber nichts ausschließen. Wir haben auch Erfahrungen zum Beispiel im Automotive-Bereich – es stehen also verschiedene Segmente zur Wahl, die wir ­weiter ausbauen können. Ein Haupt­fokus wird aber auf dem Tiefkühl-Bereich liegen.

Der Klimawandel wirkt sich ­positiv auf das Geschäft aus, weil mehr temperaturgeführte Transporte notwendig sind.
Leidinger:
Als Transportunternehmen haben wir eine Verantwortung im Bereich der Nachhaltigkeit. Die Optimierung der Transporte und die Bereitstellung von geeignetem Material, um den CO2-Ausstoß zu minimieren, liegt bei uns.

Spielen alternative Antriebe für Transdanubia eine Rolle?
Leidinger:
Wir testen gerade ­einen autonomen Lkw. Das funktioniert technisch, ist aber nur im internationalen Transport sinnvoll, im regionalen Transport eher nicht. Ein anderes Thema sind E-Lkws. Diese werden aber nach derzeitigem Stand womöglich nie den Aktionsradius von herkömmlichen Lkw erreichen und sind somit nur für Kurzstrecken geeignet.

Was verstehen Sie unter dem Begriff Digitalisierung?
Leidinger:
Wir haben Systeme, mit denen wir unsere Prozesse so sinnvoll wie möglich digital übersetzen. Man kann immer mehr machen, und wir beschäftigen uns mit vielen Fragen in diesem Beriech. Wir sind auf dem letzten Stand der Technik und haben verschiedene Systeme im Einsatz. Wir gehören z.B. zu den ersten, die Pick-by-Voice eingeführt haben.

Wie geht Transdanubia mit dem Fachkräftemangel um und womit „ködern“ Sie potenzielle qualifizierte Fachkräfte?
Leidinger:
Wir müssen uns intensiver mit dem Thema Aus- und Weiterbildung beschäftigen. Wir haben unheimlich tolle Leute im Betrieb, denen wir eine berufliche Weiterentwicklung ermöglichen wollen. Damit sind wir für bestehende aber auch für potenzielle Mitarbeiter attraktiv.

Vielen Dank für das Gespräch!


Dieses Interview erschien ursprünglich in der Ausgabe VK 01-04/2020


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