„Wir haben unsere Investitionen der Situation angepasst“

Foto: Ekol
Intermodale Transporte litten am wenigsten unter der Krise – Firmen, die nicht über diese Option verfügen, hatten daher die größten Probleme, so Arzu Akyol Ekiz.
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Verkehr sprach mit Arzu Akyol Ekiz, Managerin von Ekol Türkei, über das Krisenmanagement und die Herausforderungen im internationalen Warenverkehr zwischen der Türkei und Europa.

von: Ana Kossik

Verkehr: Wie hat die Corona-Pandemie den internationalen Warenverkehr zwischen der Türkei und der Europäischen Union beeinflusst?
Arzu Akyol Ekiz:
2020 ist geprägt von den Auswirkungen des Corona-Virus. Dieses hat die ganze Welt erschüttert und auch bei uns zu radikalen ­Änderungen von allen Geschäftsplänen geführt. Die ­Logistikindustrie gehört zu den Bereichen, die von der globalen Pandemie am meisten betroffen war. Zu Beginn war aufgrund der Einschränkungen im Grenzverkehr vor allem der Straßentransport beeinträchtigt. Aufgrund von finanziellen Veränderungen und wegen der vielen Unsicherheiten, die noch vor uns liegen, ist das vorrangige Ziel jetzt, unser Geschäft möglichst effizient zu managen. Obwohl das Volumen in manchen Bereichen zurückgegangen ist, haben sich andere dagegen gut entwickelt, und wir rechnen damit, dass sich mit der Rückkehr zu einer (neuen) Normalität auch neue Geschäftsfelder auftun werden. Daher liegt unsere Priorität für 2020 auf neuen Projekten und dem Krisenmanagement. Mit der beginnenden Erholung der Wirtschaft im letzten Quartal werden auch die Transport­volumina künftig wieder steigen.

Wie geht Ekol mit den aktuellen Herausforderungen um?
Akyol Ekiz:
Wir haben gesehen, dass es zur besseren ­Bewältigung der Krise beigetragen hat, verschiedene Transportmodelle zur Ver­fügung zu haben. Der intermodale Transport war während der Krisenzeit am wenigsten betroffen und Firmen, die über diese Option nicht verfügen, hatten dementsprechend auch die größten Pro­bleme. Da wir schon seit zwölf Jahren erfolgreich intermodale Transporte anbieten, hatten wir auch eine Alternative zum Straßentransport. Wir ­haben zum Schutz unserer Mitarbeiter auch die größtmöglichen Vorsichtsmaß­nahmen ergriffen. Im intermodalen Transport haben wir beispielsweise Ladungen aus der Türkei mit türkischen Fahrern und Lkw auf Ro-Ro-Schiffe, ausgehend von unserem eigenen Terminal Yalova, verladen. Während Fahrer und Lkw in Yalova bleiben, werden die Auflieger nach Italien und Frankreich verschifft. Die Auflieger, die in Ekols Hafen in Triest ankommen, werden per Bahn nach Köln, Ludwigs­hafen, Karlsruhe, Ostrava und Kiel transportiert, in Frankreich vom Port de Sète nach Paris. In den verschiedenen Städten werden die Auflieger von Fahrern aus den jeweiligen Ländern übernommen, ohne die Versorgungsketten zu den ­Fabriken unserer Kunden zu unterbrechen. Wir haben aktuell auch Konstanza zu unserem intermodalen Angebot hinzugefügt. Wir verschiffen Ladungen per Ro-Ro ohne Lkw und Fahrer, ausgehend vom Hafen Karasu innerhalb von zwölf Stunden nach Konstanza, wo sie von unseren Fahrern vor Ort entgegengenommen und in die EU aus­geliefert werden. Dadurch, dass unsere Fahrer und Zugmaschinen innerhalb ihrer ­eigenen Landesgrenzen bleiben, reduzieren wir das Übertragungsrisiko. Die Auflieger werden außerdem bei jedem Lade- und Entladevorgang desinfiziert.

Der Balkan hat während der Krise kurzfristig einen „Grünen Korridor“ eingerichtet. Hat Ekol diesen genutzt? Und welche Routen haben in der Krise noch funktioniert?
Akyol Ekiz:
Wir nutzen die Zuglinien über den Balkan im Rahmen des intermodalen Transports sehr aktiv. Aufgrund der Pandemie sind die üblichen Routen sekundär geworden – das liegt sowohl an den Einschränkungen nicht nur für Schiffe nach/von Triest sondern auch des Lkw-Grenzverkehrs für lokale und ausländische Fahrer sowie den Quarantänevorschriften. Bei uns kommen die Verbindungen Halkalı–Duisburg und Halkalı–Budapest wöchentlich zum Einsatz. Zu Beginn der Krise war es aufgrund der chaotischen Umstände unmöglich, die geplanten Transferzeiten einzuhalten und Kundenerwartungen zu erfüllen. Das hat sich im Vergleich zu den Anfangszeiten deutlich gebessert.

Was erwarten Sie sich vom restlichen Jahr und von 2021?
Akyol Ekiz:
Wie es aussieht, wird das ganze restliche Jahr 2020 noch unter dem Einfluss der Corona-Pandemie stehen. Daher haben auch wir unsere Investitionen der Situation angepasst. Das Ekol-Terminal in Yalova hat seinen Betrieb 2017 aufgenommen und ist aufgrund seiner günstigen Lage auch als einziges Terminal noch weiter ausbaufähig. Da die Exporte aus der Türkei kontinuierlich zunehmen, war von Beginn an eine zweite Ausbauphase geplant. Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Unsicher­heiten werden wir diese Investition aber langsamer angehen. Wir müssen zuerst die Entwicklung der Situation abwarten und werden uns mit neuen Studien über Infrastruktur und die Optimierung unserer Effi­zienz vorbereiten. Dieser Prozess bedeutet auch, die Erneuerung unserer Fahrzeuge fortzusetzen, um die ­Effizienz der Lkw-Flotte zu steigern. Wir investieren weiterhin in Technologien der neuesten Generation und in die Ausrüstung für den Straßentransport sowie unsere Warenlager. Investitionen in Forschung und Entwicklung sind ebenfalls vorgesehen. Wir hoffen außerdem, den erfolgreichen Wachstumskurs in Europa durch Zusammenarbeit mit unseren dortigen Unternehmen fortsetzen zu können, und planen, unsere bestehenden Lagerkapazitäten weiter auszubauen. So gesehen, stellen sich die Zukunftsaussichten für 2021 gar nicht so pessimistisch dar.

Vielen Dank für das Gespräch!


Dieses Interview erschien ursprünglich in der Ausgabe VK 40-41/2020.


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