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Frauenpower auf Schiene

Foto: Martin Granadia / SCHIG mbH
Foto: Martin Granadia / SCHIG mbH

Melanie Graf, Team­leiterin der SGV-Förderungen bei der SCHIG mbH, und ihre für die Logistikförderungen verantwortliche Kollegin, Katharina Kurat, reden über intermodale Transporte, Fördergelder und den steigenden Frauenanteil in der Branche.

Die SCHIG ist die Abwicklungs-, Entwicklungs- sowie Beratungsstelle für Förderprogramme und Umsetzungsprojekte im Mobilitätsbereich des Klimaschutzministeriums (BMK). Dort beraten und betreuen die Experten der Agentur Unternehmen unter anderem im Bereich der Schienengüterverkehrsförderung und bei Machbarkeitsstudien und Umsetzungsprojekten im Logistikbereich. Die grundlegende Aufgabe der SCHIG ist es, das BMK bei seiner Mobilitätsstrategie zu unterstützen. Dieses hat sich zum Ziel gesetzt, mehr ­Verkehre auf die Schiene zu bringen. Bereits seit 2012 wickelt die SCHIG die SGV-Beihilfe für das Ministerium ab. Diese Förderung soll es den Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) ermöglichen, Güterverkehrstransporte durchzuführen, die ohne diese Förderungen zu einem großen Teil auf der Straße abgewickelt werden müssten. Um jedoch den verkehrspolitisch erwünschten hohen Anteil des Schienen­güterverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen auch weiterhin sicherzustellen, sind daher von staatlicher Seite Beihilfen für Schienengüterverkehrsleistungen notwendig. Bei der Logistikförderung, die es seit 2019 gibt, steht hingegen der Ausbau einer wirtschaftlichen, sozialen und ökologisch nachhaltigen Gestaltung der Güterbereitstellung im Zentrum des Programms. Verkehr sprach mit der Team­leiterin der SGV-Förderungen, Melanie Graf, und mit der Verantwortlichen für die Logistikförderungen, Katharina Kurat, über ihre Aufgabenschwerpunkte.

Verkehr: Eine Steigerung der Anteile des Kombinierten Verkehrs und des Schienengüterverkehrs sind zur Erreichung der Klimaziele unbedingt erforderlich. Wie sehen Sie diesen aktuellen Trend?
Melanie Graf:
Österreich ist diesbezüglich auf einem besseren Weg als die EU insgesamt, denn wir haben einen zehn Prozent höheren Anteil am Modal Split als der EU-Schnitt. Ich glaube, dass die SGV-Förderung dazu einen wichtigen Beitrag leistet, denn rund 2/3 der Schienengüterverkehrsleistungen werden durch die SGV-Förderung abgedeckt. Jährlich werden dafür ca. 140 Millionen Euro vom Staat ausgegeben werden. Die Förderung wird vom Ministerium gewährt, aber wir sind die Stelle, die das letztendlich abwickelt.

Wie funktioniert das praktisch?
Graf:
Einmal pro Jahr gibt es einen Call, im Rahmen dessen sich die Eisenbahnverkehrsunternehmen bei uns bewerben und einen Antrag schicken können, der dann von uns geprüft wird. Nach einer positiven Prüfung wird ein Vertrag zwischen dem Klimaschutzministerium und dem jeweiligen EVU abgeschlossen. Die EVU schicken anschließend ihre Abrechnungsdaten an uns, wir ermitteln die Höhe der Förderungsmittel und zahlen diese dann auch aus. Wir haben drei Förderkategorien: den Einzelwagenverkehr, den Unbegleiteten Kombinierten Verkehr (UKV) und die Rollende Landstraße (RoLa). Bei den Einzelwagenverkehren fördern wir Nettotonnenkilometer, im UKV die Zahl der intermodalen Transporteinheiten, wie z. B. Container oder Sattelauflieger, und die RoLa wird auf Basis von Lkw bewertet. Für maximale Transparenz ­werden die Verträge auch auf der Homepage vdesom Klimaschutzministeriums veröffentlicht.

Welche Art von Projekten fördert die SCHIG im Logistik­bereich?
Katharina Kurat:
Wir sind weniger mit Forschungs- und Entwicklungsprojekten beschäftigt, sondern befinden uns mit unserer Arbeit immer in Umsetzungsnähe, d.h., wir wickeln für das BMK Förderungen ab, bei denen es um die tatsächliche Anwendung von innovativen Lösungen im Logistikbereich geht. Wir fördern durchaus auch Studien, nur müssen diese immer einen praktischen Bezug zur Umsetzung haben. Wir haben seit Sommer letzten Jahres eine Schwerpunktsetzung, die sich auf die Probleme fokussiert, die der Branche durch die Pandemie entstanden sind. Dazu zählen u.a. die Digitalisierung oder die Forderungen nach Maßnahmen zur Kontaktlosigkeit. Ein weiteres aktuelles Thema, das wir derzeit ganz massiv bei den Förderanträgen wahrnehmen können, ist die Resilienzsteigerung von Supply Chains. Denn man muss wohl niemandem mehr erklären, wie verletzlich Lieferketten im Grunde sind. Trotzdem ist vielen Unternehmen nach wie vor nicht bewusst, welche Auswirkungen ein bestimmtes Ereignis dann tatsächlich auf ihre Versorgung hat. In unserem letzten Call sind mehrere Projekte eingereicht worden, die genau auf diese Pro­blematik abzielen und bei denen es darum geht, unter dem Schlagwort Reshoring nicht nur die Lieferketten, sondern ganze Produktionen wieder zurückzuholen – sofern das in einer bestimmten Branche möglich ist. Hier haben die Pandemie und andere Krisen auch bei potenten Playern am Weltmarkt ein Umdenken ausgelöst, denn scheinbar dürfte es sich mittlerweile auch für diese Unternehmen lohnen, Teile der Produktion und der Lieferketten wieder aus Asien abzuziehen – trotz der höheren Kosten in ­Europa.

Wie werden diese Förderungen vergeben?
Kurat:
Wir haben ein unabhängiges Expertengremium, das die eingereichten Projekte einmal grundsätzlich bewertet und eine Förderempfehlung abgibt. Diese wird von uns an das BMK weitergegeben, das die Letztentscheidung trifft. Scheinbar spüren die großen Produktionsunternehmen den Druck auf ihre Lieferketten besonders stark, denn diese sind im letzten Call besonders stark vertreten. Wir haben aber auch Projekte, die von Produktions- und Logistikunternehmen gemeinsam eingereicht wurden, denn Supply Chains und Logistik sind so miteinander verzahnt, dass die Auswirkungen in beiden Sektoren spürbar sind. Und das oberste Ziel unserer Förderung ist schließlich, dass die steigende Güterverkehrsnachfrage effizienter, nachhaltiger und unter Abfederung negativer Effekte abgewickelt wird. Projekte, die diesen Blickwinkel im Fokus haben, entsprechen unseren Förderkriterien. Daher sind wir in der Vergabe nicht ausschließlich auf Logistiker beschränkt.

Ein Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe der Int. Wochenzeitung Verkehr widmet sich den „Frauen in der Logistik“. Wie nehmen Sie diesbezüglich Ihre Rolle in der Kooperation mit ­Logistikunternehmen wahr?
Kurat:
Ich bin jetzt schon viele Jahre in der Mobilitätsförderung und Verkehrsplanung tätig. Die Logistik ist eine „Anpackerbranche“. Das sind Macher. Ich fühle mich in der Branche als Expertin respektiert. Trotzdem wird es von Seiten der Förderwerber nach wie vor ganz besonders betont, wenn dort Frauen in einer leitenden Position tätig sind. Das wird immer noch als etwas Besonderes wahrgenommen. Dennoch habe ich den Eindruck, dass der Frauenanteil kontinuierlich steigt. Gerade an den einschlägigen Fachhochschulen werden derzeit viele junge Frauen ausgebildet, die jetzt langsam, aber stetig den Frauenanteil im Logistikbereich erhöhen.
Graf: Ich arbeite bereits seit 15 Jahren in der SCHIG und bin dadurch schon ziemlich lange im Kontakt mit der Branche. Bei den  EVU habe ich es sicher zur Hälfte mit weiblichen Ansprechpartnern zu tun. Auch ich sehe, dass immer mehr Frauen in der Branche tätig sind, und da wir in der SCHIG einen besonders hohen Frauenanteil haben, funktioniert die Zusammenarbeit sehr gut.

Vielen Dank für das Gespräch!


Dieses Interview erschien ursprünglich in der Ausgabe 23-24/2022.


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