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„Der Simulator bleibt ein Simulator“

Foto: Lukas Lorenz
Beim ÖAMTC kann man Trainings – abgestimmt auf das jeweils verwendete Fahrzeug und den zu trainierenden Fahrer – absolvieren, erklärt Studener. Das würde Schäden am Fahrzeug minimieren und die Sicherheit erhöhen.
Foto: Lukas Lorenz

Karl-Martin Studener, Geschäftsführer der ÖAMTC Fahrtechnik GmbH, spricht im Interview mit Verkehr über den Vorteil von auf Fahrer und Fahrzeug abgestimmten Trainings.

von: Bernd Winter

Nach 30 Jahren bei Iveco wechselte Karl-Martin Studener zum ÖAMTC, wo er die Position des Geschäftsführers der Fahrtechnik übernahm. Verkehr wollte wissen, in welche Richtung er den Geschäftsbereich entwickeln will.

Verkehr: Wie sehen Ihre Pläne für die Fahrtechnikzentren aus?
Karl-Martin Studener:
Wie betreiben acht Fahrtechnikzentren in Österreich. Unser Kursangebot steht jedermann offen, nicht nur ÖAMTC-Mitgliedern. Wir bieten Fahrtechniktrainings für E-Bike, Drohnen, Zweiräder, Motorräder, Pkw, Lkw, Sonderfahrzeuge und auch für Traktoren an. Unsere Entwicklung wird in mehrere Richtungen gehen. Wir möchten unser Trainingsangebot zielgruppenspezifischer gestalten.

Auch für Lkw-Fahrer?
Studener:
Die ÖAMTC-Fahrtechnik ist auch Anbieter der C95-Berufskraftfahrerweiterbildung, welche wir in allen Zentren mit allen Modulen anbieten. Wir bieten insbesondere das Modul Brems- und Sicherheitstechnik mit einem fahrpraktischen Teil an, der auch darauf abzielt, dass der Fahrer mit seinem eigenen Fahrzeug bremsen kann. Etwas mehr als 10.000 Fahrer nehmen pro Jahr an der Berufskraftfahrerweiterbildung teil. Darüber hinaus bieten wir auch das Modul Ladungssicherung an. Zusätzlich verfügen wir auch über ein weiteres Modul, das nur die ÖAMTC-Fahrzeugtechnik in dieser Form anbieten kann: das Tankwagen-Training. Hier kann der Fahrer das Fahrzeug in der Extremsituation kennenlernen, wie er es nie kennenlernen wird. Das Interessante dabei ist auch, rechtzeitig zu erkennen, wann eine Gefahrensituation beginnt. Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung Sicherheit.

Welche speziellen Trainings bieten Sie noch an?
Studener:
Abgestimmte Trainings auf das jeweils verwendete Fahrzeug, vom Pkw bis zum Lkw, und den zu trainierenden Fahrer, den sogenannten Schadensminimierungsparcours. Das bedeutet, dass alle Fahrzeuge in z. B. Parkplatz- oder Rampensituationen oder dgl., bei denen es um Höhe, Breite oder Neigungswinkel geht, bewegt werden. In der realen Umgebung entstehen dabei sehr viele Kleinschäden. Diese Kleinschäden bewegen sich sehr oft unter der Selbstbehalt-Grenze von eventuellen Kasko-Versicherungen, d. h., der Fahrer oder Eigentümer des Fahrzeugs muss dann diese Kleinschäden auf eigene Kosten beheben. Wir bieten im Schadensminimierungsparcours die Möglichkeit, dass der Fahrer sein Fahrzeug in einer Umgebung mit weichen Hindernissen genau kennenlernt. Rückspiegeltechnik und Rückfahrkameratechnik sollen richtig eingesetzt werden, damit diese Klein- und Park- oder Rampenschäden verhindert werden können. Diesbezüglich haben wir eine sehr gute Resonanz, weil auch die -Versicherungen darauf Wert legen. In Zukunft möchten wir auch an die Versicherungen direkt herantreten, damit sie diese Trainings auch im Rahmen ihrer Kundengewinnungsprogramme aktiv bewerben.

Was sagen Sie zu Simulatoren, die Virtual Reality für Fahrtrainings einsetzen?
Studener:
Ein Simulator ist und bleibt immer nur ein Simulator. Das Fahrgefühl mit dem eigenen Fahrzeug zu erfahren, kann damit nicht abgedeckt werden. Wir haben in Oberösterreich für das Rote Kreuz den Rot-Kreuz-Fahrsimulator. Dieser deckt die ersten Schritte des Trainings ab. Das ersetzt aber natürlich nicht den fahraktiven Teil mit dem eigenen Fahrzeug. Den Schadensminimierungsparcours kann ich heute noch gar nicht in dieser Form mit dem Simulator darstellen. Woran wir arbeiten, ist, die Trainings mit einem höheren Erlebnisfaktor auszustatten. Das Trainingsangebot wird dadurch noch individueller auf den einzelnen Teilnehmer abgestimmt. Wir wollen etwas anbieten, das man mit nach Hause nimmt.

Wie wird die Fahrtechnik 2030 aussehen? 
Studener: 
Die Vision ist, dass wir für alle Antriebsarten Schulungsangebote haben. Es kommen natürlich aufgrund der neuen Antriebsarten neue Trainingselemente dazu, wie z. B.: Wie lade ich ein Fahrzeug richtig? Was bedeutet es, wenn es mit einer Leistung von 11 oder 22 kW geladen wird? Wie tankt man Wasserstoff- oder Erdgasfahrzeuge? Das möchten wir natürlich so anbieten, dass die Trainings laufend an die Erfordernisse der Fahrzeuge angepasst werden, aber nicht nur im Nachhinein. Fahrer sollen sich schon im Vorfeld informieren können, welche Fahrzeuge es gibt und was es in der Praxis für sie bedeutet. 

Platooning-Tests finden verstärkt im realen Verkehr statt. Das automatisierte Fahren wird der nächste Schritt sein. Wie sehen Sie da die Entwicklung? 
Studener: 
Wir sind im Gespräch mit jenen Forschungseinrichtungen, die sich mit autonomem Fahren beschäftigen. Wir haben bereits ein konkretes Projekt am laufen, den Digi-Bus Austria. Aus Salzburg kommend, hat er als eine Testumgebung das Fahrtechnikzentrum in Teesdorf. Dort bewegt er sich und lernt die Umgebung in einem eher städtischen Umfeld kennen. Wir haben in Teesdorf die Einrichtung, in der Fahrschüler, bevor sie in die Fahrschule kommen, in einer geschlossenen Einrichtung üben können. Dort bewegt sich der Digi-Bus mit einem Kontrollfahrer besetzt. Er fährt also nicht komplett autonom. Über die Wintermonate fährt der Digi-Bus nun auf unserem Gelände in Teesdorf. Er wird bis zur Niederösterreichischen Landesausstellung, die im März 2019 in Wiener Neustadt beginnt, getestet. Dort wird er dann für eine bestimmte Fahrstrecke als Besuchertransportmittel eingesetzt. 

Könnte man Jugendliche mit Schulbesuchen an das Thema Lkw-Fahren heranführen? 
Studener: 
Ja, absolut. Wir möchten uns mit Partnern, großen Transportunternehmen, der Wirtschaftskammer, der Arbeiterkammer und mit den Stakeholdern zusammenschließen und dafür Angebote entwickeln. Als neutrale und gerade nicht politische Organisation sind wir für die Kooperation mit Schulen offen. 

Vielen Dank für das Gespräch! 


Diese Story erschien ursprünglich in der Ausgabe VK 7/2019.


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