Gerade für größere Fahrzeugmengen spielt die Kapazität der Bahn eine wesentliche Rolle. | © ÖBB/ Listl
Die ÖBB Rail Cargo Group (RCG) erweitert ihre Wagenflotte um insgesamt 200 neue Autotransportwagen. 70 Wagen der Gattung Laaers wurden bereits ausgeliefert, weitere 130 sollen 2027 folgen. Die doppelstöckigen Wagen werden in der Slowakei produziert und sind insbesondere für den Transport größerer und schwererer Fahrzeuge ausgelegt.
Damit reagiert die RCG auf Veränderungen im Automobilmarkt. Elektrofahrzeuge und SUVs stellen aufgrund ihrer Abmessungen und ihres höheren Gewichts teilweise andere Anforderungen an den Schienentransport als frühere Fahrzeuggenerationen. Die neuen Wagen verfügen über eine Ladelänge von 30,07 Metern und sollen der RCG zusätzliche Kapazitäten für Fahrzeugimporte und -exporte verschaffen.
„Die Automobillogistik wächst und verändert sich gleichzeitig grundlegend. Neue Fahrzeugimporte, der Trend zu größeren und schwereren Fahrzeugen sowie der Wunsch nach resilienteren Lieferketten erhöhen den Bedarf an leistungsfähigen Logistiklösungen“, sagt RCG-Vorständin Bettina Castillo.
Rijeka gewinnt für Autoimporte an Bedeutung
Mit der neuen Flotte nimmt die RCG insbesondere zusätzliche Automotive-Verkehre über den Hafen Rijeka ins Visier. Seit August 2026 laufen dort RoRo-Schiffe aus Asien ein, die unter anderem Fahrzeuge nach Europa transportieren. Dadurch entsteht ein neuer Güterstrom zwischen asiatischen Produktionsstandorten, der nördlichen Adria und den europäischen Absatzmärkten.
Die RCG will einen Teil dieser Fahrzeuge auf der Schiene von Rijeka ins Hinterland weitertransportieren. Der Hafen ist bereits über TransFER-Verbindungen mit Budapest und Belgrad an das Netzwerk des Bahnlogistikers angebunden und dient damit als Zugang zu Märkten in Zentral- und Südosteuropa.
Gerade für größere Fahrzeugmengen spielt die Kapazität der Bahn eine wesentliche Rolle. Nach Angaben der RCG kann ein Autozug bis zu 256 Fertigfahrzeuge aufnehmen und damit bis zu 37 entsprechende Lkw-Fahrten ersetzen.
Rund eine Million Fahrzeuge pro Jahr
Die Automobillogistik gehört bereits heute zu den größeren Geschäftsfeldern der Rail Cargo Group. Das Unternehmen transportiert jährlich rund eine Million Fertigfahrzeuge. Hinzu kommen etwa 600.000 Tonnen Komponenten wie Motoren, Felgen, Türen, Karosserien und Batterien für mehr als 20 internationale Standorte.
Die neuen Wagen sollen dabei nicht ausschließlich für Elektrofahrzeuge eingesetzt werden. Ihre Konstruktion ermöglicht generell den Transport größerer und schwererer Pkw und verschafft der RCG damit mehr Flexibilität bei unterschiedlichen Fahrzeugtypen.
„Mit unserer neuen Wagengeneration schaffen wir zusätzliche Kapazitäten und Flexibilität für Fahrzeugimporte und -exporte, Produktionsspitzen sowie kurzfristige Marktanforderungen“, sagt Castillo. Damit wolle die RCG ihre Position als integrierter Bahnlogistiker mit eigener Traktion und eigenem Wagenmaterial ausbauen.
Neue Importströme verändern Automotive-Logistik
Für die RCG ist die Investition damit mehr als eine reine Flottenerneuerung. Neue Importströme aus Asien, veränderte Fahrzeugdimensionen und die stärkere Elektrifizierung des Pkw-Marktes verändern zugleich die Anforderungen an Transportmittel und Hinterlandverbindungen.
Mit den 200 neuen Wagen schafft der Bahnlogistiker zusätzliche Kapazitäten, um diese Verkehre auf der Schiene abzuwickeln. Insbesondere Rijeka könnte dabei für die RCG an Bedeutung gewinnen, wenn sich der seit August aufgebaute RoRo-Verkehr aus Asien dauerhaft etabliert.
