Die ÖBB-Infrastruktur AG hat eines ihrer größten Vergabeverfahren im Bereich der Eisenbahnsicherungstechnik abgeschlossen. | © ÖBB/Espen Eichhöfer
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat eines ihrer größten Vergabeverfahren im Bereich der Eisenbahnsicherungstechnik abgeschlossen. Nach einem mehrjährigen Ausschreibungsverfahren wurden Siemens Mobility und Hitachi Rail mit der Lieferung neuer digitaler Stellwerke beauftragt. Das kumulierte Volumen der Rahmenvereinbarungen beträgt rund 2,6 Milliarden Euro.
Die Verträge laufen mindestens zehn Jahre. Zusätzlich wurden Servicevereinbarungen über eine Systemlebensdauer von 25 Jahren abgeschlossen, die unter anderem Wartung, technische Betreuung und die Sicherstellung der Systemverfügbarkeit umfassen.
Für die ÖBB ist die Vergabe ein zentraler Baustein bei der Modernisierung der Sicherungstechnik. Stellwerke steuern unter anderem Weichen und Signale und bilden damit eine wesentliche Grundlage für einen sicheren und leistungsfähigen Bahnbetrieb.
„Das Digitale Stellwerk ist eine Schlüsseltechnologie für die Eisenbahn der Zukunft. Mit dieser Vergabe stellen wir die Weichen für die umfassende Digitalisierung unserer Sicherungstechnik“, sagt Johann Pluy, Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG.
Erste Inbetriebnahme für 2030 vorgesehen
Die Umstellung wird sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Das erste Pilotprojekt soll im vierten Quartal 2030 in Betrieb genommen werden. Anschließend sind weitere Pilotprojekte vorgesehen. Erst nach Abschluss dieser Phase soll die Technologie schrittweise im österreichischen Netz ausgerollt werden.
Langfristig planen die ÖBB, sämtliche bestehenden Stellwerksanlagen durch digitale Stellwerke zu ersetzen. Der Auftrag umfasst sowohl die zentralen Anlagen, in denen die sicherheitsrelevante Stellwerkslogik verarbeitet wird, als auch die Außenanlagen. Sogenannte Object Controller übernehmen dabei die digitale Ansteuerung von Signalen, Weichen und weiteren Elementen der Infrastruktur.
Ein Schwerpunkt liegt auch auf der IT-Sicherheit. Die neuen Systeme sollen entsprechend gegen Cyberangriffe abgesichert werden. Mobilitätsminister Peter Hanke verbindet mit der Investition daher neben höherer Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit auch Anforderungen an die technologische Souveränität.
„Digitalisierung kritischer Infrastruktur heißt für mich aber auch Verantwortung: Wir setzen auf Cybersicherheit und technologische Souveränität“, sagt Hanke.
Siemens setzt auf gemeinsame Softwareplattform
Siemens Mobility will im Rahmen des Auftrags seine Softwarearchitektur SignalingX einsetzen. Auf einer gemeinsamen Plattform werden dabei unter anderem Stellwerksfunktionen, ETCS, Diagnosesysteme, Objektcontroller und Cybersecurity-Anwendungen gebündelt.
Erfahrungen mit digitalen Stellwerken im ÖBB-Netz gibt es bereits. Siemens Mobility nahm 2020 in Achau ein entsprechendes Pilotprojekt in Betrieb. Parallel arbeitet das Unternehmen daran, das ÖBB-Streckennetz bis 2038 mit ETCS Level 2 auszurüsten.
„Was im Jahr 2020 als Pilotprojekt an einem Bahnhof vor den Toren Wiens begonnen hat, entwickeln wir nun gemeinsam mit den ÖBB zu einem der modernsten Bahnnetze der Welt weiter“, sagt Tanja Kienegger, Managing Director Siemens Mobility Austria.
Hitachi Rail bringt Wiener Entwicklung ein
Auch Hitachi Rail verfügt über eine langjährige Präsenz in Österreich. Am Standort Wien entwickelt das Unternehmen eine Plattform für sicherheitskritische Bahnanwendungen, die unter anderem für Stellwerke und ETCS-Systeme eingesetzt wird. Deren neueste Generation soll nun auch bei den digitalen Stellwerken der ÖBB zum Einsatz kommen.
„Durch die Verbindung globaler Signaltechnikkompetenz mit österreichischer Ingenieursleistung schaffen wir die Voraussetzungen für ein zuverlässigeres, effizienteres und attraktiveres Bahnsystem für kommende Generationen“, sagt Hannes Boyer, Vice President North, Central & Eastern Europe bei Hitachi Rail.
Mit der Vergabe legen die ÖBB damit die technologische Basis für einen Umbau, der weit über einzelne Stellwerksprojekte hinausgeht. Entscheidend wird nach den ab 2030 geplanten Pilotprojekten sein, wie rasch die digitale Technik anschließend in der Breite ausgerollt werden kann. Bis zur vollständigen Ablöse der bestehenden Stellwerksgeneration ist entsprechend mit einem langfristigen Transformationsprozess zu rechnen.
