Klimabilanz entscheidet mit

19.10.2026 | KEP, Luft, Luftfracht, Straße

Für Verlader zählt zunehmend, welchen Beitrag ihre Transportpartner zu den eigenen Klimazielen leisten. DHL Express will deshalb die Emissionen seines Netzes senken – die größte Aufgabe liegt dabei in der Luftfahrt.

„In vielen Branchen kann man sich mit Nachhaltigkeit nicht mehr abheben. Sie wird zunehmend vorausgesetzt“, sagt Kristina Laaneots, VP Sales bei DHL Express Österreich. Nach ihrer Beobachtung gehören Umweltkriterien in vielen Ausschreibungen bereits zu den Anforderungen an einen Dienstleister. Sie begegnet der Klimafrage längst im Verkaufsgespräch. Kunden wollen wissen, wo die Emissionen ihrer Transporte entstehen, wie sie sich erfassen lassen und welche Einsparungen heute möglich sind. 

Die Verlader geben dabei Anforderungen weiter, die ihre eigenen Kunden und Geschäftspartner an sie richten. Wer über die Emissionen seiner Lieferkette Auskunft geben soll, braucht Angaben zu den eingekauften Transporten. Das betrifft nach DHLs Beobachtung zunehmend auch kleinere und mittlere Unternehmen.

DHL verknüpft diesen Anspruch mit einem konzernweiten Umbau. Gegenüber dem Basisjahr 2021 mit rund 40 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten sollen die Emissionen bis 2030 um 28 Prozent sinken. Für 2050 lautet das Ziel netto null. „Dieses Ziel erreichen wir nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch eine umfassende Transformation unseres Geschäfts“, sagt Kris Van Humbeeck, Geschäftsführer von DHL Express Österreich.

Der Hebel liegt in der Luft

Bei DHL Express gehen nach Unternehmensangaben rund 90 Prozent der Emissionen auf die Luftfahrt sowie Abholung und Zustellung zurück. Innerhalb dieser Bereiche dominiert die Luftfahrt. Nachhaltige Flugkraftstoffe, kurz SAF, sollen deshalb einen wachsenden Anteil des fossilen Kerosins ersetzen. Bis 2030 strebt DHL einen SAF-Anteil von 30 Prozent im Luftverkehr an.

Um diesen Weg abzusichern, bindet sich der Konzern langfristig an Lieferpartner. Im April 2026 erweiterte DHL seine Zusammenarbeit mit IAG Cargo, der Frachtsparte der International Airlines Group. Ein neuer Fünfjahresvertrag bis 2030 ergänzt eine bereits 2025 verlängerte Vereinbarung. Zusammen ermöglichen sie die Abnahme von rund 240 Millionen Litern SAF am Flughafen London Heathrow. Damit sollen die Emissionen der von British Airways beförderten DHL-Express-Sendungen sinken.

Im Rahmen der neuen Vereinbarung erhält DHL Express die Emissionsminderungen aus rund 40 Millionen Litern reinem SAF pro Jahr zugerechnet. Einschließlich der verlängerten Vereinbarung von 2025 erwartet das Unternehmen eine Reduktion um rund 640.000 Tonnen CO₂-Äquivalente über den Lebenszyklus des Kraftstoffs. Eine zusätzliche Rahmenvereinbarung von DHL Global Forwarding mit IAG Cargo könnte die gesamten Einsparungen aus der Zusammenarbeit auf mehr als eine Million Tonnen erhöhen. Grundlage der Berechnung ist das verwendete SAF: Es ist nach ISCC zertifiziert und wird aus Abfall- und Reststoffen wie gebrauchtem Speiseöl hergestellt. DHL beziffert die Emissionsminderung dieses Kraftstoffs gegenüber fossilem Kerosin auf rund 90 Prozent.

DHL Express Österreich nennt für seine SAF-Maßnahmen im Jahr 2025 eine CO₂-Reduktion von rund 1.845 Tonnen. Parallel sollen effizientere Flugabläufe und betriebliche Prozesse den Treibstoffverbrauch senken.

Die Zustellung zieht nach

Bei Abholung und Zustellung setzt DHL auf die Elektrifizierung. Die DHL Group will bis 2030 weltweit mehr als 66 Prozent der Zustellfahrzeuge auf der ersten und letzten Meile elektrifizieren. Auch in Österreich kommt der Umstieg voran: Aktuell sind 19 Prozent der Zustellfahrzeuge elektrisch unterwegs, bis 2030 sollen es 75 Prozent sein.

Der Abstand zwischen Bestand und Ziel zeigt, wie viel von der Umstellung noch bevorsteht. Die Pkw-Flotte ist bereits zu 95 Prozent elektrifiziert; im Linienverkehr beginnt das Unternehmen zusätzlich mit dem Einsatz von HVO-Kraftstoffen.

Die Standorte bilden dafür die betriebliche Grundlage. Ladeinfrastruktur ist nach Unternehmensangaben überall vorhanden, bezogen wird ausschließlich Grünstrom. Photovoltaikanlagen in Peggau (Steiermark) und Guntramsdorf (Niederösterreich) ergänzen die Versorgung. Ein laufendes Energiemonitoring soll den Verbrauch transparent machen und die Steuerung verbessern.

Der Umbau verlangt auch Wissen im Betrieb. „Technologie allein reicht nicht aus. Nachhaltigkeit funktioniert nur durch engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagt Van Humbeeck. DHL setzt dafür auf GoGreen-Teams, geschulte Botschafter und den regelmäßigen Austausch über Erfahrungen aus der Praxis. Sie sollen die Ziele in den Arbeitsalltag übersetzen und Verbesserungen innerhalb des Unternehmens weitertragen.

Was beim Kunden ankommt

Die Veränderungen im Netz schaffen die Voraussetzung für das Angebot an die Verlader. Mit GoGreen Plus verknüpft DHL Express den Einsatz von SAF mit der Verringerung jener Emissionen, die internationalen Sendungen zugerechnet werden. Emissionsberichte sollen zugleich nachvollziehbar machen, welche Klimawirkung die Transporte haben. Für den Kunden gehören die Maßnahme und ihr Nachweis zusammen: Erst die Daten machen eine Verbesserung auch in der eigenen Bilanz nutzbar.

Relevant ist das insbesondere für die sogenannten Scope-3-Emissionen. Darunter fallen indirekte Emissionen entlang der Wertschöpfungskette, zu denen auch eingekaufte Transportleistungen zählen. Was der Expressdienstleister im Netz verändert, kann daher für die Klimaziele seiner Auftraggeber bedeutsam werden. Diese müssen die Wirkung wiederum gegenüber ihren Kunden und weiteren Geschäftspartnern erklären können.

„Unternehmen fragen nicht mehr, ob sie handeln sollen. Sie fragen, wie sie Fortschritte erzielen und Ergebnisse nachweisen können“, sagt Laaneots. Für den Vertrieb bedeutet das, die technischen Maßnahmen in eine nachvollziehbare Kundenleistung zu übersetzen. Die Verfügbarkeit von SAF oder eines elektrischen Zustellfahrzeugs ist dafür ein Ausgangspunkt. Entscheidend bleibt, welche Emissionsminderung dem jeweiligen Transport zugerechnet werden kann und wie sich diese belegen lässt.

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