(Bild: Felbermayr)
Mitten im Berliner Regierungsviertel, eingerahmt von Spree, Kanzleramt und urbanem Leben, wurde in einem dreiteiligen Akt ein Bauwerk in Bewegung gesetzt, das neben seinen Dimensionen vor allem durch die Art und Weise, wie es seinen Platz fand, beeindruckte.
„185 Meter lang, 6 Meter hoch und breit sowie rund 1.500 Tonnen schwer – die Südbrücke war schon für sich genommen kein gewöhnliches Projekt. Und die Spree hat dann noch ihren Teil dazu beigetragen, sodass es für uns garantiert nicht langweilig wurde. Meter für Meter haben wir die Brücke über das Wasser verschoben, bis sie ihre finale Position erreichte“, erläutert Engineered Solutions-Projektleiter Jens Fuchs.
Brücke mit Charakter
Die Besonderheit der Stahlbrücke zeigt sich anhand einer markanten Z-Form – eine architektonisch anspruchsvolle Lösung, die erhebliche technische Herausforderungen mit sich brachte.
„Während bei anderen Brücken der Schwerpunkt in der Mitte liegt, ist dieser bei einer Z-Konstruktion schwer zu handhaben“, erklärt Fuchs und führt weiter aus:
„Das hat zur Folge, dass die Brücke zum Verwinden neigt. Genau darin lag eine der größten Hürden. Wir mussten das gesamte Konzept darauf auslegen, dass sich die Lasten während des Verschubs permanent verändern. Gleichzeitig durften die vier Querträger, auf denen die Brücke gelagert war, im Höhenunterschied maximal zwei Zentimeter nach oben beziehungsweise zwei Zentimeter nach unten voneinander abweichen.“
Bereits die bestehende Nordbrücke weist diese Geometrie auf. Die neue Südbrücke folgt bewusst dieser Konstruktion und fügt sich so in das architektonische Gesamtbild der Bundeshauptstadt ein.
Langwierige Vorbereitung
Wochen bevor sich die Brücke in Bewegung setzte, liefen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. Der Kanzlerpark wurde kurzerhand zur innerstädtischen Baustelle, wo unter beengten Platzverhältnissen komplexe Logistikleistungen erbracht wurden. Die Südbrücke musste zuerst auf der Baustelle aus einzelnen Segmenten zusammengesetzt und verschweißt werden, ehe sie später als gesamte Einheit in Bewegung versetzt werden konnte. Die vier massiven Querträger bildeten dabei die Basis für die Lagerung auf einer speziell errichteten Verschubbahn. An diesen Punkten wurde die Brücke aufgenommen. Mit sogenannten Stufenhebern wurde der Stahl-Korpus millimetergenau angehoben, ehe im Anschluss die Montageböcke entfernt und der Weg für drei SPMT-Sets mit insgesamt 68 Achsen freigemacht wurde. Mehr als 1.000 Tonnen Equipment kamen beim Verschub zum Einsatz.
Technik, die bewegt
Der eigentliche Verschub war eine abgestimmte Komposition verschiedener Systeme. Landseitig wurde die auf den SPMTs gelagerte Brücke über eine rund 60 Meter lange Verschubbahn, vom Kanzlerpark bis an das Ufer der Spree, geführt. Diese Verschubbahn setzte sich auf einem Ponton über das Wasser fort und trug die Konstruktion weiter Richtung Kanzleramt. Die Bahn diente dazu, dass die Südbrücke beim Führen sicher in der Spur gehalten werden konnte.
„Jeder Arbeitsschritt musste exakt geplant und ausgeführt werden. Es gab keinen Spielraum für Improvisation“, beschreibt Fuchs die Situation: „Im Zentrum der Metropole, vor den Augen der gesamten Stadt, eine Brücke wie diese kontinuierlich zu bewegen und gleichzeitig jederzeit die Kontrolle über die Lastverteilung sowie die minimalen Höhenunterschiede der Querträger zu behalten, bringt einen schon etwas ins Schwitzen.“
Technische Exzellenz
„Der spektakulärste Augenblick war jener, als die Brücke die Spree erreichte. Während der hintere Teil der Brücke noch am Magnus-Hirschfeld-Ufer ruhte, schoben sich bereits mehrere Hundert Tonnen Stahl über die auf den Ponton in der Spree positionierte Verschubbahn hinaus über das Wasser“, beschreibt Fuchs die anspruchsvolle Passage und merkt an: „Es ist dieser Moment, auf den man monatelang hinarbeitet, in dem alles stillsteht und man noch einmal kurz innehält, bevor die kolossale Konstruktion über das Wasser gleitet.“
Sobald der erste der beiden aufgenommenen Querträger die zweite, auf Dalben gegründete Verschubbahn am Ufer des Kanzleramts erreichte, war das Ponton nur noch mit einem Querträger teilbelastet und konnte zurücksetzen. Dabei wurde es noch einmal anspruchsvoll. Das Ponton musste unter dem zweiten Querträger kontrolliert zurückgezogen werden. Der äußerst geringe Höhenunterschied des auf dem Ponton ruhenden Querträgers machte dieses Manöver zu einer besonderen Herausforderung.
Im Herzen Berlins
Die Aufbauarbeiten im Kanzlerpark boten den Spezialisten von Engineered Solutions kaum Spielraum – räumlich, logistisch und zeitlich. Enge Straßenzüge, verwinkelte Zufahrten und das Verkehrsaufkommen einer Metropole gestalteten die Anlieferung der benötigten Großkomponenten entsprechend aufwendig. Zu Jahresbeginn setzte sich dann schließlich über mehrere Wochen Stück für Stück das Bild von der Südbrücke wie eine Collage zusammen.
