„Die Türkei hat viel zu bieten“

23.10.2026 | Straße, Wasser

Zuverlässig liefern, auch wenn sich die Bedingungen ändern: Gülden Uçak, Geschäftsführerin des Istanbuler Logistik-unternehmens Expris, setzt zwischen der Türkei und Europa auf alternative Routen und enge Abstimmung.

Welche Transportarten sind durch den Krieg im Nahen Osten aktuell besonders gefragt?

Das kommt darauf an, was jemand verschicken möchte und wie dringend es ist. Die Unsicherheit auf See bringt Unternehmen dazu, auch andere Möglichkeiten zu prüfen. Wenn eine Lieferung besonders eilig oder wertvoll ist, kann zum Beispiel der Transport per Flugzeug infrage kommen.

Zwischen der Türkei und Europa bleibt der Lkw für uns sehr wichtig. Wir können die Ware direkt beim Kunden abholen lassen und bis zum Empfänger bringen. Das macht die Planung flexibel. Bei regelmäßigen Lieferungen kann es auch sinnvoll sein, einen Teil des Weges per Fähre oder Bahn zurückzulegen.

Dem Kunden geht es letztlich darum, dass seine Ware zuverlässig ankommt. Er muss schließlich selbst planen können und hat oft Kunden, denen er etwas zugesagt hat.

Wie haben sich die Transportwege und Lieferzeiten zwischen der Türkei und Europa verändert?

Man kann nicht pauschal sagen, dass jetzt jede Lieferung länger dauert. Unsere direkten Straßen- und Fährverbindungen zwischen der Türkei und Europa sind anders betroffen als die Seerouten im Nahen Osten. Hier kann sich der Krieg eher über die Treibstoffpreise oder darüber bemerkbar machen, welche Transportmöglichkeiten gerade zur Verfügung stehen.

Im Alltag hängt viel davon ab, ob der Fahrer an der Grenze warten muss, wie viel im Hafen los ist und wie schnell die Zollformalitäten erledigt sind. Deshalb schauen wir bei jeder Lieferung genau hin. Uns ist wichtig, dem Kunden eine realistische Zeit zu nennen. Und wenn sich etwas verschiebt, soll er das rechtzeitig von uns erfahren. Er muss wissen, worauf er sich einstellen kann.

Was bereitet Ihnen auf diesen Strecken derzeit die größten Schwierigkeiten?

Es sind oft mehrere Dinge, die zusammenkommen. Ein Fahrer wartet an der Grenze, eine Genehmigung steht noch aus oder die Ware ist beim Abholen noch nicht fertig. Auch fehlende Unterlagen können den ganzen Zeitplan durcheinanderbringen. Dazu kommen schwankende Kosten, mit denen wir bei der Planung umgehen müssen.

Deshalb ist es so wichtig, dass alle miteinander sprechen. Der Absender, der Empfänger, die Menschen, die sich um den Zoll kümmern, und wir müssen wissen, was gerade passiert. Gerade bei Waren, die besondere Bedingungen beim Transport brauchen, muss vorher alles gut abgestimmt sein. Je früher ein Problem bekannt ist, desto eher lässt sich eine Lösung finden.

Auf welchen Strecken zwischen der Türkei und Europa ist Expris besonders aktiv?

Wir konzentrieren uns vor allem auf die Verbindungen zwischen der Türkei und Deutschland, Österreich, Italien, den Niederlanden, Belgien und Frankreich. Wenn unsere Kunden es benötigen, organisieren wir auch Transporte zwischen der Türkei und Großbritannien, Spanien, Rumänien oder Tschechien.

Dabei kümmern wir uns sowohl um ganze Lkw-Ladungen als auch um kleinere Sendungen, die keinen eigenen Lkw füllen. Welchen Weg wir wählen, hängt davon ab, wo die Ware abgeholt wird und wohin sie muss. Manchmal geht es durchgehend über die Straße, manchmal bietet sich die Fähre von der Türkei nach Italien an. Wir schauen gemeinsam mit dem Kunden, was für seine Lieferung zeitlich und preislich passt.

Welche alternativen Routen werden wichtiger, und warum?

Für uns sind die Fährverbindungen von der Türkei nach Italien besonders interessant. Von dort gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Ware weiterzubringen. Über Triest kann es zum Beispiel auf der Straße oder mit der Bahn weitergehen. Auch Österreich spielt dabei durch seine Lage und seine Bahnverbindungen eine wichtige Rolle.

Ich glaube, dass es künftig noch wichtiger wird, mehrere Möglichkeiten zu haben. Wenn es auf einer Strecke Probleme gibt, braucht man einen anderen Weg. Der muss dann aber auch verfügbar sein und für den Kunden bei Lieferzeit und Preis passen. Genau das muss man sich vorher anschauen.

Wo müsste die Logistikinfrastruktur aus Ihrer Sicht verbessert werden?

Ich würde bei den Grenzen anfangen. Dort sollte die Abfertigung schneller und einfacher werden. Es würde schon viel helfen, wenn Unterlagen unkompliziert digital weitergegeben werden könnten und die beteiligten Stellen besser zusammenarbeiten würden.

Auch der Wechsel zwischen Fähre, Bahn und Lkw sollte einfacher werden. Wenn die Ware im Hafen ankommt, muss sie von dort gut weitertransportiert werden können.

Und die Fahrer gehören für mich genauso zu diesem Thema. Sie brauchen sichere Parkplätze und ordentliche Möglichkeiten, sich auszuruhen. Wenn wir darüber sprechen, wie Transporte besser funktionieren können, müssen wir auch an die Menschen denken, die jeden Tag dafür unterwegs sind.

Wie sehen Sie die Entwicklung der türkischen Logistikbranche, und wo liegen die größten Chancen?

Die Türkei hat viel zu bieten: Es wird viel produziert, und der europäische Markt ist nah. Wenn Unternehmen ihre Waren näher an Europa einkaufen oder dort produzieren möchten, kann die Türkei davon profitieren. Damit daraus langfristige Zusammenarbeit entsteht, muss man im Alltag überzeugen. Eine Lieferung muss gut organisiert sein, der Preis muss passen, und der Kunde muss sich auf seinen Ansprechpartner verlassen können.

Für uns liegen Chancen besonders bei Kunden, die regelmäßig kleinere Mengen verschicken oder eine Lösung brauchen, die zu ihren Abläufen passt. Dabei können wir auch verschiedene Transportwege miteinander verbinden. Ebenso wichtig ist, den Kunden auf dem Laufenden zu halten. Er möchte wissen, wo seine Ware ist und wie es weitergeht.

Wie hat sich Expris bisher entwickelt, und was haben Sie für die Zukunft vor?

Wir sind noch ein junges Unternehmen und möchten Schritt für Schritt wachsen. Als wir das Unternehmen gegründet haben, hatten wir im Team bereits Branchenerfahrung und wir wollten ein Unternehmen aufbuen, bei dem der persönliche Kontakt zum Kunden eine große Rolle spielt. Uns ist wichtig, zu verstehen, was unsere Kunden brauchen, und ihre Transporte aufmerksam zu begleiten.

Als Nächstes wollen wir unsere wichtigsten Verbindungen zwischen der Türkei und Europa weiter ausbauen, enger mit unseren Partnern in Europa zusammenarbeiten und unsere regelmäßigen Angebote für kleinere Sendungen stärken. Dabei möchten wir uns die Zeit und Aufmerksamkeit für den einzelnen Kunden erhalten.Für mich zeigt sich Erfolg vor allem daran, ob ein Kunde beim nächsten Transport wieder bei uns anruft. Wenn er uns seine Ware erneut anvertraut, bedeutet uns das viel. Solche Beziehungen möchten wir aufbauen und pflegen.

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