Schiene aus einer Hand

06.11.2026 | Bahnlogistik, Güterverlagerung, Schiene

Dinge neu zu denken, gehört zur DNA von Innofreight, erklärt Geschäftsführer Peter Wanek-Pusset im Gespräch mit Verkehr. Mit modularen Systemen und eigenen Entwicklungen will das Unternehmen mehr Güter auf die Schiene bringen.

Das Jahr 2026 haben wir gut gemeistert. Wir haben unsere Kunden und Partner in den herausfordernden Zeiten optimal unterstützt. Das modulare System ermöglicht es, dass wir uns an die sich rasch ändernden Marktanforderungen flexibel anpassen können“, so Peter Wanek-Pusset, Geschäftsführer und Eigentümer des steirischen Unternehmens Innofreight. 

Die langjährige, sehr enge Kooperation mit den Staatsbahnen wurde noch einmal gestärkt. „Wir sind gerade dabei, eine stationäre Entladeanlage für die Stahlindustrie in Dillingen hochzufahren und eine weitere für die Versorgung mit Biomasse in Tschechien umzusetzen.“ Diese stationären Entladeanlagen erfordern ein großes Maß an Know-how, weil sie pro Stunde 800 oder sogar 1.000 Tonnen an Rohstoffen entleeren. Die erste stationäre Entladeanlage wurde 2015 in Betrieb genommen, seitdem wurde laufend weiterentwickelt. Mittlerweile werden sämtliche Komponenten stationärer Entladeanlagen eigenständig entwickelt und die Fertigung wird flexibel organisiert.

Auf einige Projekte dieses Jahres ist der Manager besonders stolz: etwa auf den Zement-Transport für den Brenner-Basistunnel mit dem CemTainer. Oder den Einsatz der Erz-Container RockTainer ORE und InnoWaggons aus Triest für den Transport von Eisenerz zur voestalpine nach Linz. „Stolz bin ich, wenn ich an die vielen Holztransporte denke, bei denen wir den Transport von Rundholz und Schnittholz mit mehr als 4.100 m³ miteinander kombinieren. Dadurch sparen unsere Kunden Leerfahrten ein, was sich ökologisch und ökonomisch bezahlt macht.“ Mehr Güter auf die Schiene zu bringen, ist die Mission von Innofreight. Der durchschnittliche Güterwagen in Europa ist älter als 30 Jahre, daher braucht es dringend modernes Equipment.

Traktion und Wachstum

Der Trend geht ganz klar hin zum Gesamtanbieter. Der Kunde möchte nicht mehr unterschiedliche Ansprechpartner in einer Logistikkette, sondern einen zentralen Ansprechpartner. Wanek-Pusset: „Diesem Wunsch tragen wir in unserer Unternehmensgruppe Rechnung, was man zum Beispiel in Deutschland sieht, wo wir eng mit unterschiedlichen Privatbahnen zusammenarbeiten, um auch das Thema Traktion abzudecken.“ In Österreich führt Innofreight Transporte mit dem eigenen EVU CityRail durch, das aus Tschechien mehrere Standorte in Österreich ansteuert und im Holztransport tätig ist. Sich als zuverlässiger Partner von Staats- und Privatbahnen zu profilieren, gehört zur konsequenten Philosophie von Innofreight. Im Biomasse-Bereich rechnet man mit weiterem Wachstum in Tschechien oder Polen, wo rund 400.000 Tonnen Biomasse pro Jahr und Werk bewegt werden.

Das gegenwärtige Geschäft ist ob der Rahmenbedingungen von Schwankungen geprägt. „Generell sehen wir uns aber gut aufgestellt, weil wir auf die unterschiedlichen Herausforderungen die richtigen Lösungen haben oder im Bedarfsfall finden.“ Innofreight setzt auf Nachhaltigkeit und hat einen ersten Nachhaltigkeitsbericht vorgelegt. „Wir sagen immer, dass wir das Glück haben, mit dem nachhaltigsten Verkehrsmittel zu arbeiten, nämlich mit der Eisenbahn. Nachhaltigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil unserer DNA und das seit bald 25 Jahren“, betont Wanek-Pusset.

Modernes Wagenmaterial

Auf der diesjährigen Welteisenbahnmesse InnoTrans in Berlin wurde das von Innofreight entwickelte Drehgestell InnoBogie mit dem ERCI-Award in der Kategorie „Bestes Großunternehmen“ ausgezeichnet. „Für uns steht diese Auszeichnung für zweierlei: Zum einen, dass wir uns getraut haben, ein bestehendes Produkt nach sechs Jahrzehnten neu zu denken und zu optimieren. Und zum anderen ist unser in weniger als zwei Jahren entwickeltes InnoBogie ein Paradebeispiel für dieses Mindset“, so Wanek-Pusset.

Produktdesign und die vollautomatisierte Fertigung wurden vom ersten Tag an miteinander verschmolzen, so habe man bewiesen, dass selbst in einer traditionell konservativen Branche immer wieder Innovationen möglich sind. Sofern man sich traut. Daraus ist das InnoBogie entstanden, das verschleißärmer, leiser, dank der automatisierten Fertigung qualitativ hochwertig und auch um 250 Kilogramm leichter ist als herkömmliche Drehgestelle. „Ich komme beruflich aus der Drehgestellentwicklung, daher ist diese Auszeichnung für mich persönlich etwas ganz Besonderes.“ Im Juli dieses Jahres lief in der Waggonfabrik in Triest das 1.000. Drehgestell aus dem Werk. Jetzt kommt das InnoBogie auch schon in der Stahlindustrie zum Einsatz. Im nächsten Jahr wird zum Sprung nach Finnland angesetzt. Wanek-Pusset: „Das sind alles Belege dafür, dass es die richtige Entscheidung war, mutig zu sein und das Drehgestell neu zu denken.“

Von den politisch Verantwortlichen wünscht sich der Unternehmer ein klares Bekenntnis für den Schienengüterverkehr. Es sei notwendig, dass die Politik Investitionen in den Schienengüterverkehr intensiver unterstützt. Dazu zählen vor allem Investitionen in moderne, leise und modulare Güterwagen. Die Bereitschaft, den Schienengüterverkehr seitens der Politik zu fördern, habe leider in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Ganz im Unterschied zum Personenverkehr. Moderne Infrastruktur wie Koralm- und Semmeringtunnel benötigt auch modernstes Wagenmaterial für den Güterverkehr.

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