Doris Pulker-Rohrhofer, Vizebürgermeisterin Barbara Novak und Sandra Eitler (v. l.) bei „Logistik trifft Politik“ im thinkport VIENNA. | © Katharina Schiffl
Der DamenLogistikClub (DLC) hat bei seinem Dialogformat „Logistik trifft Politik“ die Karrierechancen von Frauen in der Logistik in den Mittelpunkt gestellt. 43 Teilnehmer aus Wirtschaft, Verwaltung, Hochschule und Beratung sowie Studentinnen und Mentees kamen am 21. September im thinkport VIENNA am Hafen Wien mit Barbara Novak zusammen. Novak ist Vizebürgermeisterin und amtsführende Stadträtin für Finanzen, Wirtschaft, Arbeit, Internationales und Digitales.
Im Zentrum der Diskussion stand die Frage, welche Voraussetzungen Frauen für den Einstieg und die weitere Karriere in einer nach wie vor stark männlich geprägten Branche benötigen. Neben fachlicher Qualifikation ging es dabei insbesondere um Netzwerke, sichtbare Vorbilder und Mentoring.
„Ein starkes Wien braucht eine starke Wirtschaft, und eine starke Wirtschaft braucht starke Frauen. Netzwerke wie der DamenLogistikClub leisten dazu einen wertvollen Beitrag, indem sie Talente fördern, Karrieren sichtbar machen und Frauen auf ihrem beruflichen Weg unterstützen“, sagte Novak.
Role Models und Mentoring als Karrierefaktoren
Nach Ansicht der Vizebürgermeisterin bietet die Logistik gute berufliche Perspektiven für Frauen. Vernetztes Denken, das Verständnis komplexer Prozesse und die Fähigkeit, Probleme zu lösen, seien Kompetenzen, die in der Branche zunehmend gefragt seien. MINT-Initiativen könnten zusätzlich dazu beitragen, Mädchen und Frauen früher mit technischen und logistischen Berufsfeldern in Kontakt zu bringen.
Novak verwies dabei auch auf ihre eigenen beruflichen Erfahrungen in einem häufig männlich dominierten Umfeld. Fachliche Kompetenz allein sei für eine Karriere nicht entscheidend; ebenso wichtig seien Unterstützung und Netzwerke. Eine besondere Rolle schreibt sie Mentoren und weiblichen Vorbildern zu.
Der DamenLogistikClub betreibt selbst ein Mentoringprogramm, das Frauen bei ihrer beruflichen Entwicklung unterstützen soll. „Um jungen Frauen den Einstieg in die Logistikbranche zu erleichtern, müssen wir Karrieremöglichkeiten sichtbar machen und ihre Entwicklung fördern“, sagen die DLC-Vorständinnen Doris Pulker-Rohrhofer und Sandra Eitler. Der Austausch mit Novak habe dazu persönliche Erfahrungen und Perspektiven auf Frauenkarrieren eingebracht.
Digitalisierung schafft neue Berufsbilder
Über Karrierefragen hinaus ging es um die Veränderungen des Wirtschafts- und Logistikstandorts. Als relevante Innovationsfelder nannte Novak unter anderem Digitalisierung und IT einschließlich Quantentechnologie sowie Kreislaufwirtschaft, Gesundheit und Gesundheitstechnik.
Gerade die digitale Transformation verändert dabei auch die Anforderungen an Beschäftigte. Neue Technologien schaffen andere Tätigkeitsprofile und erhöhen zugleich den Bedarf an entsprechenden Qualifikationen. Die Verbindung von technologischer Entwicklung, Ausbildung und Arbeitsmarkt gehört auch zu den Schwerpunkten, die Novak zuletzt öffentlich für die Wiener Digitalpolitik formuliert hat.
Für die Logistik stellt sich damit nicht nur die Frage, wie bestehende Berufe verändert werden, sondern auch, wie neue Fachkräfte gewonnen werden können. Die stärkere Ansprache von Frauen kann dabei einen zusätzlichen Zugang zu bislang nicht ausgeschöpften Potenzialen eröffnen.
Resilienz rückt stärker in den Fokus
Ein weiterer Schwerpunkt des Austauschs war die Widerstandsfähigkeit von Logistiksystemen in einer wachsenden Stadt. Diskutiert wurden insbesondere klimafreundlichere Logistiklösungen, Versorgungssicherheit und die dafür notwendige Infrastruktur.
Dabei rückte auch der Hafen Wien als Logistikknoten in den Fokus. Aus Sicht der Diskussionsteilnehmer sind Investitionen in leistungsfähige Infrastruktur eine Voraussetzung, um Lieferketten weniger anfällig für Störungen zu machen.
Das Gespräch machte damit zugleich deutlich, wie eng Personal- und Standortfragen inzwischen miteinander verbunden sind: Die Transformation der Logistik benötigt nicht nur neue Technologien und Infrastruktur, sondern auch ausreichend qualifizierte Fachkräfte. Netzwerke, Mentoring und sichtbarere Karrierewege für Frauen sollen dazu beitragen, den Kreis potenzieller Fach- und Führungskräfte zu erweitern.
