Für Kasachstan ist das Terminalprojekt Teil des Ausbaus seiner Transit- und Logistikinfrastruktur. | © Rhenus
Die Rhenus Gruppe und der Aktau International Sea Trade Port haben die nächsten Schritte für ein neues Containerterminal am Kaspischen Meer vereinbart. Das Projekt soll Schiene, Straße und Seeverkehr miteinander verbinden und Aktau als Umschlagpunkt auf dem Transkaspischen Internationalen Transportkorridor stärken.
Vorgesehen ist nach der derzeitigen Projektkonzeption eine Fläche von mindestens 30 Hektar. Das Terminal soll eine zusätzliche Umschlagkapazität von mindestens 150.000 TEU pro Jahr schaffen. Bis zur Realisierung sind allerdings noch wesentliche Schritte notwendig: In den nächsten Projektphasen sollen unter anderem die erwarteten Güterströme und Transportkorridore analysiert sowie die technische und wirtschaftliche Machbarkeit geprüft werden.
Aktau soll zusätzliche Kapazitäten schaffen
Für Rhenus ist das Vorhaben Teil einer größeren Strategie entlang des sogenannten Mittleren Korridors. Dieser verbindet China und Zentralasien über das Kaspische Meer, den Südkaukasus und die Türkei beziehungsweise das Schwarze Meer mit Europa. Der Logistikkonzern will dabei bestehende und neue Infrastruktur sowie eigene Logistikangebote stärker miteinander verzahnen.
„Die strategische Bedeutung des Transkaspischen Korridors steht heute kaum noch zur Diskussion. Entscheidend ist vielmehr, aus einzelnen Infrastrukturprojekten Schritt für Schritt ein leistungsfähiges Netzwerk zu schaffen, in dem Kapazitäten, operative Services und starke Partnerschaften entlang der gesamten Route ineinandergreifen“, sagt Rhenus-CEO Tobias Bartz.
Beim Ausbau in Aktau arbeitet Rhenus neben dem Hafen auch mit Kazakhstan Temir Zholy (KTZ), der nationalen Eisenbahngesellschaft Kasachstans, zusammen. Damit soll insbesondere die Anbindung des Hafens an die landseitigen Transportkorridore weiterentwickelt werden.
Kasachstan als Bindeglied im Mittleren Korridor
Für Kasachstan ist das Terminalprojekt Teil des Ausbaus seiner Transit- und Logistikinfrastruktur. „Das gemeinsame Terminalprojekt im Hafen Aktau wird zu einem wichtigen Bestandteil unserer Logistikinfrastruktur und schafft eine Grundlage für die weitere Vertiefung der Partnerschaft“, sagt Yelzhas Otynshiyev, Vorstandsvorsitzender von Kazakhstan Temir Zholy.
Die Zusammenarbeit soll sich nach seinen Angaben nicht auf Aktau beschränken. KTZ sieht auch beim Ausbau von Terminalnetzwerken in Europa und Asien sowie bei weiterer Infrastruktur entlang des Transkaspischen Korridors Möglichkeiten für gemeinsame Projekte mit Rhenus.
Aktau nimmt dabei aufgrund seiner Lage am Kaspischen Meer eine zentrale Schnittstellenfunktion ein: Güter müssen dort zwischen Seeverkehr und den Schienen- beziehungsweise Straßenverbindungen durch Kasachstan umgeschlagen werden. Zusätzliche Terminalkapazitäten sollen deshalb nicht nur das mögliche Transportvolumen erhöhen, sondern auch die Abwicklung entlang der Route unterstützen.
Rhenus baut Netzwerk entlang des Korridors aus
Rhenus ist nach eigenen Angaben seit 30 Jahren in Kasachstan tätig und hat seine Infrastruktur in dem Land zuletzt erweitert. Anfang 2026 übernahm das Unternehmen ein schienengebundenes Terminal in der Region Almaty. Damit kamen zusätzliche Terminal-, Depot- und multimodale Kapazitäten zum Netzwerk hinzu.
Auch entlang der weiteren Route ist Rhenus bereits präsent. Das Unternehmen verfügt über Aktivitäten in Usbekistan, Aserbaidschan, Georgien und der Türkei. Langfristig sollen Terminals und Depots sowie Schienen-, See- und Speditionsverkehre enger miteinander verbunden und an das europäische Netzwerk des Konzerns angebunden werden.
Das geplante Terminal in Aktau wäre damit nicht als isolierter Standort gedacht, sondern als weiterer Knoten in diesem Netzwerk. Ob und in welcher konkreten Form es realisiert wird, hängt nun von den Ergebnissen der technischen und wirtschaftlichen Projektprüfung ab.
