Neben den Kosten rücken geopolitische Risiken stärker in den Fokus der Branche. | © AIA
Robert Machtlinger, CEO des Luftfahrtzulieferers FACC, ist neuer Präsident der Aviation Industry Austria (AIA). Er übernimmt die Funktion turnusmäßig von Flughafen-Wien-Vorstand Julian Jäger, der dem Präsidium künftig als Vizepräsident angehört.
Die Übergabe erfolgte beim 24. Luftfahrtsymposium der AIA am Flughafen Wien. Rund 250 Vertreter aus Luftfahrt, Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Industrie und Forschung diskutierten dort über die Wettbewerbsfähigkeit des österreichischen Luftfahrtstandorts. Neben geopolitischen Risiken standen insbesondere Kosten, internationale Konnektivität, Resilienz sowie technologische und industrielle Fragen im Mittelpunkt.
Machtlinger will die unterschiedlichen Bereiche der Branche stärker gemeinsam positionieren. „Die Stärke der AIA liegt darin, dass hier die unterschiedlichen Bereiche der österreichischen Luftfahrt gemeinsam auftreten – von Airlines und Flughäfen bis zu Industrie, Technologie und Forschung“, sagt der neue AIA-Präsident.
AIA bringt zehn Impulse für Luftfahrtstrategie ein
Parallel zum Führungswechsel legte der Branchenverband zehn strategische Impulse für die geplante Luftfahrtstrategie 2040+ vor. Die Schwerpunkte reichen von Wettbewerbsfähigkeit und internationaler Anbindung über Versorgungssicherheit und Resilienz bis zu Forschung, Innovation und industrieller Kooperation.
Damit will die AIA die Interessen der unterschiedlichen Teilbereiche der österreichischen Luftfahrt in die weitere Ausarbeitung der Strategie einbringen.
„Die Herausforderungen reichen heute vom internationalen Standortwettbewerb über geopolitische Krisen bis zu Versorgungssicherheit und technologischer Souveränität“, sagt AIA-Geschäftsführer Peter Malanik. Mit den zehn Impulsen wolle der Verband aufzeigen, „wo aus Sicht der österreichischen Luftfahrt die Luftfahrtstrategie 2040+ ansetzen sollte“.
Mobilitätsminister Peter Hanke sieht dabei eine enge Verbindung zwischen Luftfahrt-, Technologie- und Industriepolitik. „Die geopolitischen Krisen – vom Krieg in der Ukraine bis zu den Spannungen im Nahen Osten – treffen auch die österreichische Luftfahrt“, sagt Hanke. Innovationen, Investitionen und qualifizierte Beschäftigte seien deshalb wesentliche Voraussetzungen für die weitere Entwicklung der Branche.
Fluggastzahlen zuletzt rückläufig
Dass die Standortdebatte vor einem wirtschaftlich anspruchsvollen Hintergrund geführt wird, zeigen die von der AIA genannten Verkehrszahlen. Demnach lagen die sechs österreichischen Verkehrsflughäfen im ersten Halbjahr 2026 beim Passagieraufkommen um 2,6 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Am Flughafen Wien betrug das Minus von Jänner bis August vier Prozent. Im August lag das Passagieraufkommen laut den beim Symposium präsentierten Angaben sogar 6,9 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahresmonat.
Julian Jäger sieht deshalb weiteren politischen Handlungsbedarf. Zwar gebe es inzwischen positive Signale und eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Mobilitätsministerium, für eine nachhaltige Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit reiche dies jedoch nicht aus.
Im Mittelpunkt seiner Forderungen steht die Flugabgabe. „Der wichtigste unmittelbare Hebel bleibt die Flugabgabe. Aus Sicht der Branche muss diese Belastung deutlich sinken oder ganz entfallen“, sagt Jäger.
Damit formuliert der nunmehrige AIA-Vizepräsident eine langjährige Forderung der Luftfahrtbranche erneut als einen zentralen Punkt in der aktuellen Standortdebatte.
Geopolitik erhöht Druck auf Luftfahrt
Neben den Kosten rücken geopolitische Risiken stärker in den Fokus der Branche. Gesperrte Lufträume, unsichere Versorgungswege und höhere Anforderungen an Sicherheit und Resilienz beeinflussen sowohl Fluggesellschaften und Flughäfen als auch Flugsicherung und Luftfahrtindustrie.
Beim Symposium diskutierten dazu unter anderem Vertreter von Austrian Airlines, Austro Control, FACC, Schiebel und Airbus sowie internationale Branchenvertreter von IATA, EUROCONTROL und easyJet.
Für die österreichische Luftfahrtstrategie 2040+ ergibt sich daraus ein breites Aufgabenfeld: Sie soll nicht nur die internationale Anbindung und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts adressieren, sondern zunehmend auch Fragen der Versorgungssicherheit, technologischen Souveränität und industriellen Wertschöpfung.
Mit der Übergabe der AIA-Präsidentschaft an Machtlinger erhält dabei zugleich die heimische Luftfahrtindustrie eine prominentere Rolle an der Spitze des Dachverbands. Gemeinsam mit Vizepräsident Jäger und Geschäftsführer Malanik soll er nun die Positionen der Branche in die weitere Ausarbeitung der Luftfahrtstrategie einbringen.
