Mobilitätsminister Peter Hanke, VCÖ-Geschäftsführerin Ulla Rasmussen, Margarete Kriz-Zwittkovits, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, Othmar Frühauf, Vorstandsmitglied der ÖBB-Personenverkehr AG | © Wirtschaftskammer Wien
Die Wiener Grätzl-Ladezonen sind beim VCÖ-Mobilitätspreis Österreich als Sieger in der Kategorie „Klimaverträglicher Güterverkehr und Logistik“ ausgezeichnet worden. Gleichzeitig soll das von der Wirtschaftskammer Wien entwickelte Modell in weiteren Teilen der Stadt umgesetzt werden.
Derzeit gibt es 19 Grätzl-Ladezonen im 4., 6., 7. und 8. Bezirk. Weitere Standorte sind im 2., 4., 6., 7., 8., 10. und 12. Bezirk in Vorbereitung. Nach Angaben der Wirtschaftskammer Wien befassen sich darüber hinaus weitere Bezirke mit einer Umsetzung.
Anders als klassische Ladezonen werden die Flächen nicht für einzelne Unternehmen eingerichtet. Die Bezirke schaffen sie gezielt an Standorten, an denen ein hoher Bedarf für kurze Lade- und Haltevorgänge besteht. Grundlage für die Standortwahl ist unter anderem ein Ladezonenrechner der Wirtschaftskammer Wien.
Ladeflächen für Betriebe und Privatpersonen
Das Konzept richtet sich bewusst nicht ausschließlich an den Wirtschaftsverkehr. Neben Lieferdiensten und Handwerkern dürfen auch Privatpersonen die Flächen für Ladetätigkeiten oder kurze Besorgungen nutzen. Eine Evaluierung zeigt laut Wirtschaftskammer, dass die Ladezonen jeweils etwa zur Hälfte von gewerblichen und privaten Lenkern genutzt werden.
„Die Grätzl-Ladezone ist ein Beispiel dafür, wie datenbasierte Planung konkrete Probleme im Alltag lösen kann“, sagt Margarete Kriz-Zwittkovits, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien.
Aus Sicht der urbanen Logistik sollen die zusätzlichen Haltemöglichkeiten vor allem ein alltägliches Problem entschärfen: Fehlen geeignete Flächen in unmittelbarer Nähe des Ziels, verlängern sich Wege bei der Zustellung oder Fahrzeuge halten in zweiter Spur beziehungsweise auf ungeeigneten Flächen.
„Grätzl-Ladezonen bringen Lieferfahrzeuge, Handwerker, Kunden und Anrainer näher an ihre Ziele. Das reduziert unnötige Wege, erleichtert Zustellungen und hilft dabei, problematische Haltevorgänge in zweiter Spur oder am Gehsteig zu vermeiden“, sagt Kriz-Zwittkovits.
Zehn Minuten für kurze Ladetätigkeiten
Die Nutzung ist zeitlich geregelt. Von Montag bis Freitag stehen die Grätzl-Ladezonen werktags zwischen 7 und 19 Uhr zur Verfügung, an Samstagen von 7 bis 13 Uhr. Privatpersonen können dort mit einem kostenlosen Kurzparkschein maximal zehn Minuten beziehungsweise für die Dauer des Ladevorgangs halten.
Außerhalb dieser Zeiten können die Flächen unter Beachtung der jeweils geltenden Kurzparkzonenregelung als reguläre Parkplätze genutzt werden.
Das Modell ist aus einer Forschungskooperation der Wirtschaftskammer Wien, der Stadt Wien und der Technischen Universität Wien hervorgegangen. Mit der nun geplanten Ausweitung entwickelt sich der Ansatz von einzelnen Pilotstandorten zunehmend zu einem Instrument der städtischen Verkehrsorganisation. Für den Wirtschaftsverkehr ist dabei vor allem relevant, ob ein dichteres Netz der Ladezonen die oftmals schwierige letzte Strecke zwischen Zustellfahrzeug und Empfänger tatsächlich verkürzen kann.
