„Digitalisierung ist ein zentrales Tool, um den Betrieb optimal abwickeln zu können", sagt Komarek. (Foto: NB / Monihart)
Welche Vision verfolgen Sie für die Weiterentwicklung der Niederösterreich Bahnen?
Die Niederösterreich Bahnen betreiben sechs Eisenbahnen sowie zwei Seilbahnen. Mein Ziel ist es, möglichst viele Menschen im Alltagsverkehr von A nach B zu bringen und sie in der Freizeit mit einzigartigen Erlebnissen zu begeistern. Unsere Mitarbeiter sind dabei der Schlüssel zum Erfolg – Freundlichkeit, Kompetenz und umfassender Service stehen im Mittelpunkt. Wir wollen 2025 den Rekord von 1,3 Millionen Fahrgästen übertreffen.
Vor welchen Herausforderungen steht der regionale Bahn- verkehr in Niederösterreich?
Die größte aktuelle Herausforderung ist sicherlich die angespannte finanzielle Lage von Bund und Ländern. Durch die erforderliche Budgetkonsolidierung werden weniger Finanzmittel für die Infrastrukturmaßnahmen der Eisenbahnunternehmen zur Verfügung stehen. Betriebsnotwendige Investitionen könnten gestoppt oder zumindest verschoben werden müssen.
Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Digitalisierung in Ihren aktuellen Projekten?
Nachhaltigkeit liegt in unserer DNA und beeinflusst alle unsere unternehmerischen Entscheidungen maßgeblich. Die Mariazellerbahn beispielsweise ist seit 1911 elektrisch zwischen St. Pölten und Mariazell unterwegs. Mit der Wachaubahn erschließen wir das Weltkulturerbe Wachau auf der hochwassersicheren Trasse zwischen Krems und Emmersdorf, und der Salamander bringt jedes Jahr rund 180.000 Menschen mit öffentlicher Mobilität auf den höchsten Berg Niederösterreichs, den Schneeberg. Besonders beim Ressourceneinsatz achten wir auf die Weiterverwendung wertvoller Rohstoffe. So werden die Schmalspurschienen der Mariazellerbahn bei der Waldviertelbahn wiederverwendet, da sie für die wesentlich geringeren Belastungen im touristischen Verkehr noch viele weitere Jahre im Einsatz sein können.
Digitalisierung ist für Eisenbahnunternehmen ein zentrales Werkzeug, um den Betrieb optimal abwickeln zu können. Die Betriebsführung der Bahnen basiert auf der Nutzung digitaler Technologien, und erst diese gewährleisten einen stabilen und verlässlichen Fahrplan.
Sie engagieren sich im DamenLogistikClub. Welche Bedeutung hat das Netzwerk für Sie?
Der DamenLogistikClub bietet einerseits die Möglichkeit zum fachlichen Austausch, andererseits finden sich überraschende Querverbindungen und Kooperationschancen „out of the box“.
Mit großer Begeisterung darf ich bereits zum zweiten Mal als Mentorin tätig sein, und es macht unglaublich viel Spaß. Großartige junge Frauen, die ihren Weg in der Branche machen, ein Stück weit begleiten zu dürfen, sich auszutauschen und voneinander zu lernen, empfinde ich als extrem bereichernd. Überrascht bin ich, dass nach 30 Jahren, in denen ich nun beruflich tätig bin, die Herausforderungen, vor denen junge Frauen am Beginn ihrer Karriere stehen, noch immer die gleichen sind. Deshalb sind Frauennetzwerke so wichtig!
Welche Maßnahmen setzen Sie in Ihrem Unternehmen, um Diversität und die Förde- rung von Frauen weiter voran- zutreiben?Unser Unternehmen ist seit fünf Jahren als „Great Place to Work“ zertifiziert und wurde 2023 unter die zehn besten Unternehmen Österreichs gewählt. Unsere Unternehmenskultur baut auf den Grundsätzen „Respekt und Wertschätzung“ sowie „Vertrauen und Zutrauen“ auf. Damit sind Diversität und Frauenförderung zentrale Themen, die wir in verschiedenen Projekten umsetzen – von der Diversity Challenge über flexible Karenz- und Sabbatical-Modelle, Familientage im Unternehmen, geteilte Führungspositionen für den Wiedereinstieg, Gleichbehandlungsgruppen oder Sensibilisierungsworkshops. Das wichtigste Werkzeug ist jedoch, „open minded“ zu sein und die Extrameile zu gehen, um die passende Berufssituation für die Mitarbeitenden zu finden. In den allermeisten Fällen ist dies eine echte Win-win-Situation.