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Neue Wege auf der Last Mile

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Die Zustellzahlen wachsen – wie die Zustellung der Zukunft aussehen wird, ist aber noch offen.
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Befeuert vom steigenden E-Commerce wächst die Zahl der zugestellten Pakete sensationell. Damit die Zustellung aber auch in Zukunft reibungslos verläuft, braucht es neue Lösungen. Die Schweiz könnte dabei ein Vorbild sein.

von: Claudia Hefelle

Neue Entwicklungen, wie zum Beispiel kürzere Durchlaufzeiten, die 24-Stunden Zustellung, eine geplante Zustelldauer von 72 Stunden bei Paketen aus China und ein sensationelles Plus beim E-Commerce, bilden den Zündstoff beim Paketvolumen. Im Branchenradar "KEP-Dienste in Österreich" zeichnet sich ein ungebremster Zulauf ab: Die Anzahl der von KEP-Diensten transportierten Pakete stieg um 14,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und liegt nun bei 208,9 Millionen Stück. Treiber ist hier in besonderem Maße das B2C-Geschäft, das einen Zuwachs von 24,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr brachte. C2C stieg ebenso an, wenn auch bescheidener: Ein Plus von immerhin 1 Prozent macht ein Gesamtaufkommen von 10,1 Millionen Paketen aus. Neben den Bestellungen legten aber auch die Teillieferungen mit 37,3 und die ungeliebten Retouren mit 29,5 Prozent zu. Im KEP-Markt ging mit der dynamischen Entwicklung eine Marktkonzentration einher: Im B2B-Bereich führt DPD vor der Österreichischen Post, im B2C-Sektor hat die Post vor DHL die Nase vorn. In beiden Teilmärkten dominieren die beiden führenden Anbieter absatzseitig mit mehr als 70 Prozent des Marktes.

Individuelle Lösungen für jede Stadt

Ausgerechnet im urbanen Raum boomt der Internet-Handel am allermeisten. Nur etwa 20 bis 25 Prozent des Paketaufkommens im ländlichen Raum erfolgen zum Privatkunden. Dem steht ein Anteil von 60 Prozent in den Städten gegenüber, was angesichts der Tatsache, dass der Handel dort leichter verfügbar wäre, verwundern mag. Virtuelles Angebot und Nachfrage sind gerade in den Cities jedoch über einen Flaschenhals verbunden, der sich zunehmend als begrenzt aufnahmefähig erweist. Nach Jahren des politischen Zusehens hagelt es nun mehr oder minder absehbare Restriktionen für den innerstädtischen Verkehr in vielen europäischen Metropolen. Dieselfahrverbote wie jetzt in Deutschland zeigen bereits an, dass der Weg vor allem auf der letzten Meile komplett neu gedacht werden muss. Das stetige Bevölkerungswachstum der Städte verschärft in diesem Setting gleichzeitig die Nachfrageseite bei Versorgungssicherheit nach Raum, Waren und Transport und bringt zusätzlichen Nutzungsdruck im öffentlichen Raum mit sich. Die Antworten auf das Dilemma sind vielfältig und folgen im Wesentlichen der Forderung nach Smart Cities, wenn auch manchmal in "Hüftschuss-Qualität". Daniel Termont, Präsident von Eurocities, dem größten Netzwerk europäischer Großstädte, ist überhaupt überzeugt, dass die Krise Europas in den Städten gelöst wird. Nach Meinung Termonts, der als Bürgermeister von Gent (Belgien) seinen Ansichten bereits Raum verleihen konnte, wird jede Stadt ihren ureigenen Lösungsweg finden - und gehen - müssen. Die Bandbreite wird dabei von den individuellen Gegebenheiten und Herausforderungen jeder Kommune bestimmt, ausgehend von ihrer Lage, ihren Besonderheiten und ihren Einwohnern.

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Zustelldienst der Zukunft ist nicht klar 

Die Suche nach der individuellen Lösung ist eine Einstellung, die auch von führenden KEP-Dienstleistern in ihrer Unternehmensstrategie bereits angewendet wird. Axel Spörl von GLS Österreich: "Man muss einfach alles probieren! Der Zustelldienst der Zukunft ist nicht klar." Elektromobilität, Micro-Hubs, alternative Fortbewegungsmittel wie Lastenräder, Rollerblades oder Scooter und Pedelecs oder überhaupt gleich ein unterirdisches Transport- und Verteilsystem? Alles muss miteinbezogen werden, im Großen wie im Kleinen. Denn während GLS in Wien oder Graz beispielsweise mit Lastenfahrrädern und E-Scootern experimentiert und geeignete Partnerschaften für urbane Micro-Hubs eingeht, probiert etwa die Österreichische Post ihr Glück mit Elektrofahrzeugen und entwickelt -utonome Modelle weiter. Bei der Zustellung via Drohnen halten sich die Erwartungen dabei eher in Grenzen. 

Die Eroberung des Souterrains 

Ein ambitionierter Ansatz sorgt seit einiger Zeit in der Schweiz für Staunen und große Erwartungen in Form der Cargo Sous Terrain (CST), die ein völlig neues und unterirdisch verlaufendes vollautomatisches Transportsystem für Güter zur Entlastung der Verkehrswege und der Umwelt herstellen möchte. Starten will man die Bauarbeiten für das Projekt zu einer Verbindung zwischen dem Logistikstandort Härkingen-Niederbipp und dem Raum Zürich im kommenden Jahr. Später sollen Winterthur und St. Gallen sowie Basel, Luzern, Bern, Thun, Lausanne und Genf an das Netz angeschlossen werden. Betrieben wird das Projekt unter anderem von Coop und Migros, der Bundespost, Swisscom, Versicherern, Banken und je einem europäischen und einem chinesischen Infrastrukturentwickler sowie der Mechatronikfirma Gotthard 3. Ziel ist es eine Entlastung des Gütertransports, ganz speziell auf der ersten und letzten Meile, zu erreichen. An rund 80 Hubs können die Waren rund um die Uhr umgeschlagen werden, der Energiebedarf soll mit erneuerbarer Energie erfolgen. Die unterirdische Navigation erfolgt laut Plan unbemannt und mit einer konstanten Geschwindigkeit, eine zielortspezifische Bündelung wird die Lieferungen schon im Vorfeld logistisch optimieren. Der effiziente und koordinierte Warenfluss soll auf diese Weise umweltfreundlich zur optimierten Feinverteilung eingesetzt werden und um Leerfahrten zu vermeiden, möchten die Entwickler doch das neue Transportsystem gleichzeitig für Entsorgungsfahrten heranziehen. Bei Cargo Sous Terrain ist man stolz darauf, von Nutzern und Marktakteuren entwickelt und von der Wirtschaft finanziert zu sein. Längst ist aus dem anfänglichen Förderverein eine Aktiengesellschaft geworden, deren Devise lautet: "Von der Quelle bis zum Bestimmungsort - ein nachhaltiges Logistiksystem".


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