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Hält der Infrastrukturboom an?

Foto: Shutterstock.com / Lals Stock
Die schwächelnde Wirtschaft der Republik Türkei führt dazu, dass einzelne Infrastrukturprojekte unterbrochen werden.
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Die Zeiten des stabilen Wirtschaftswachstums der Türkei sind vorbei. Ausländische Investoren halten sich spürbar zurück. Politische Turbulenzen in der Türkei zeigen bereits ihren Einfluss auf die langfristige Finanzierbarkeit ambitionierter Infrastrukturprojekte. Wie geht es weiter?

Die türkische Wirtschaft ist im Krisenmodus. Für das dritte und vierte Quartal dieses Jahres rechnen die Analysten mit einem Abrutschen in die Rezession. Ob die Maßnahmen der Regierung und der Zentralbank ausreichen werden, um den Wechselkurs und die Inflation zu stabilisieren bzw. das verlorene Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen, ist unklar. Viele internationale Unternehmen, die in den letzten Jahren teilweise sehr großzügige Beträge in den Ausbau ihres Türkei-Business hineingesteckt haben, müssen jetzt ihre Chancen und Risiken auf dem lokalen Markt neu bewerten. Denn aufgrund der hohen Inflation sind die Verbraucherpreise, aber noch stärker die Erzeugerpreise gestiegen, und zwar um 32 Prozent. Da die ge-stiegenen Herstellungskosten nicht 1:1 an die Endkunden weitergegeben werden können, sinken die Margen teilweise bedrohlich. Auch die Kursschwankungen machen Preiskalkulationen derzeit zu einem Lotteriespiel. Alles in allem entwickelt sich der wirtschaftliche Ausblick aktuell nicht gerade positiv.

Was tun mit den Prestige-Projekten?
Die türkische Regierung hat für die kommenden Jahre nach wie vor viele Prestige-Projekte im Transport- und Logistiksektor in Planung, die der Türkei eine Position als bedeutender Logistik-Hub auf der modernen "Neuen Seidenstraße" sichern sollen. An vielen dieser Mega-Projekte wird bereits aktiv gearbeitet. Allerdings werden neue Projekte meist als BOT-Betreibermodelle (Build Operate Transfer, Anm. d. Red.) ausgeschrieben, was angesichts der deutlichen Zurückhaltung ausländischer Investoren gewisse Finanzierungsprobleme mit sich bringt. In einer Rede Mitte September kündigte Präsident Recep Tayyip Erdoğan, der während der Wahlkampagne im Juni seine Mega-Projekte noch stolz als persönliche Errungenschaft präsentiert hatte, vor Vertretern der regierenden AKP-Partei bereits an, dass die Regierung noch nicht begonnene Infrastrukturprojekte einfrieren und einer Neuevaluierung unterziehen werde, um die Staatsausgaben und das Budgetdefizit wieder in den Griff zu bekommen. Projekte, die bereits zu mehr als 70 Prozent fertiggestellt sind, sollen jedoch abgeschlossen werden, versicherte die Regierung. Der türkische Finanzminister Berat Albayrak hat ein paar Tage später bestätigt, dass alle Projekte, die noch nicht ausgeschrieben sind, generell eingestellt werden sollen.

Das "verrückte" Projekt

Ob dieser Ausschreibungsstopp auch für den Kanal Istanbul, die geplante Entlastungsverbindung für die Schifffahrt am Bosporus, gilt, bleibt aktuell offen. Das vom Präsidenten 2011 angekündigte und von ihm selbst schon als "verrückt" bezeichnete Großprojekt war selbst mit dem besseren Wechselkurs vor der Lira-Abwertung bereits mit 15 Milliarden US-Dollar veranschlagt - eine Summe, die sich aufgrund der Währungskrise in den vergangenen Monaten verdoppelt hat. Am Anfang des Jahres hatte man sich noch auf die "am besten geeignete" Streckenführung geeinigt. So sollte der rund 45 km lange Verbindungskorridor von Küçükçekmece über Sazlıdere nach Durusu verlegt werden. Der Kanal soll beim Küçükçekmece See auf Istanbuls europäischer Seite zwischen den beiden Bezirken Esenyurt und Avcılar beginnen. Er soll dann über den Sazlıdere Damm geführt werden und östlich des Terkos Damm in der Nähe der Siedlung Durusu im Bezirk Çatalca zum Schwarzen Meer führen. Bis dato wurde dieses Projekt nicht offiziell gestoppt, denn das türkische Ministerium für Umwelt und Stadtentwicklung unter Minister Murat Kurum ist nach wie vor damit beschäftigt, den dafür notwendigen Landerwerb voranzutreiben. Allerdings machen die enormen Kosten seine tatsächliche Durchführung eher unwahrscheinlich.

Der Mega-Flughafen
Zu den Baustellen, die sicherlich noch abgeschlossen werden, zählt der neue dritte Flughafen Istanbuls. Dieser soll Ende Oktober anlässlich des türkischen Nationalfeiertags mit allen Ehren eröffnet werden. Das offiziell noch immer namenlose Mega-Projekt "Istanbul Grand Airport" soll - so der Plan - bis zu seiner endgültigen Fertigstellung im Jahr 2025 eine Kapazität von 150 Millionen Passagieren aufweisen und mit seiner Fläche von 76,5 Millionen m² zum größten Flughafen der Welt werden. Bis zu 36.000 Menschen arbeiten rund um die Uhr auf dieser Riesenbaustelle, um die überaus ambitionierte Deadline einhalten zu können.

Die Fortsetzung dieses Artikels finden Sie am Freitag, 26.10. im APA-Kiosk.


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