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Sertic: „Wir brauchen mehr Praktiker in der Politik!“

Foto: Winter
Das Erfolgsgeheimnis seines Unternehmen liegt in der Kombination aus erfahrenen Mitarbeitern und jungen energievollen Kollegen, so Davor Sertic, Geschäftsführer von UnitCargo
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Davor Sertic, Geschäftsführer der UnitCargo Speditionsges.m.b.H. über die Digitalisierung, Diversität und seine Unternehmensstrategie.

von: Bernd Winter

Verkehr: Wie verlief bisher Ihr heuriges Geschäftsjahr bei UnitCargo?
Davor Sertic:
Das Geschäftsjahr verläuft mit einer bis zu 30-prozentigen Umsatz- und Gewinnsteigerung im Vergleich zum ersten Quartal im Vorjahr hervorragend. Dazu möchte ich noch sagen, dass 2017 für uns auch schon ein Rekordjahr war. Dies ist einerseits der positiven Wirtschaftslage anzurechnen, andererseits auch der Kapazitätserweiterungen in unseren Lkw-Verkehren. Wir sind jetzt im Stande, die Schwankungen bei den Bestellungen der Kunden sehr schnell mit Forecasts zu erkennen und vorzuplanen. Wir haben uns im Rahmen unserer Digitalisierungsprojekte nämlich stark mit den Kapazitätsbereitstellungen in Peak-Zeiten auseinandergesetzt und können deswegen nun rasch Kapazitäten für unsere Kunden bereitstellen.

Welche Maßnahmen planen Sie in der kommenden Zeit?
Sertic:
Wir haben vor etwa 1,5 Jahren unsere Zweigniederlassung in Novi Sad in Serbien eröffnet und werden diese zu unserem Haupt-Hub für die Balkanländer ausbauen. Die Linien zwischen Kontinentaleuropa sowie Skandinavien und dem Balkan sind unsere stärksten Verkehre. Weiters setzen wir uns sehr stark mit den Prozessen der Kunden auseinander und beziehen diese in unsere Weiterentwicklungsmaßnahmen mit ein. Für diese Pläne sind Investitionen im höheren sechsstelligen Bereich für die nächsten Jahre budgetiert.

Sie haben vorhin die Digitalisierung angesprochen. Wie nutzt UnitCargo diese technologische Entwicklung?
Sertic:
Wir setzen zum Beispiel auf eine laufende Prozessoptimierung unserer Projekte, die wir im Einklang mit den Erwartungen und Wünschen unserer Kunden versuchen zu bringen. Wir tun das, um immer am Puls der Zeit zu bleiben und dieser auch voraus zu sein. Das Gros unseres Investitionsbudgets ist für diese Zwecke reserviert. Wir investieren aus unserem Eigenkapital und sind bedacht darauf, unabhängig zu agieren.

Seit Kurzem gibt es nun die neue Logistikmarke "Austrian Logistics". Was halten Sie davon? Wollen Sie auch Mitglied werden?
Sertic:
Wir werden auf jeden Fall Mitglied, da unser Unternehmen und ich persönlich mit unseren Werten schon immer "for a better logistics world", also für eine bessere Logistikwelt, gestanden sind und uns dafür auch eingesetzt haben. Österreichs Logistikunternehmen genießen schon länger weltweit ein sehr hohes Ansehen. Und UnitCargo ist mittlerweile in dieser "Champions League" international ein fixer und anerkannter Player geworden und hat sich als ein Garant für Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit etabliert.

Welche Rolle spielt Diversität in ihrem Unternehmen?
Sertic:
Sie ist einer unserer Werte und eine wichtige Säule des Unternehmens, die uns zudem erfolgreich gemacht hat. Die Diversität ist in der DNA von UnitCargo hineingeschrieben. Unter dem Begriff verstehen wir Vielfalt in puncto Geschlecht, Ethnizität, Alter, aber auch körperliche Beeinträchtigung. Aber auch subjektive Unterschiede wie die sexuelle Orientierung, Religion oder der bevorzugte Lebensstil fassen wir unter diesem Begriff zusammen. Wir haben zum Beispiel Mitarbeiter im Alter von 19, aber auch einen Mitarbeiter, der 73 Jahre alt ist. Für uns ist die Kombination aus erfahrenen Menschen und vor Energie sprudelnder junger Mitarbeiter ein Rezept zum Erfolg.

Wie hoch ist der Frauenanteil bei UnitCargo?
Sertic:
Im Moment haben wir den idealen Anteil von 50 Prozent im Management - im operativen Team sowie im Sales-Bereich liegt die Quote sogar bei 60 Prozent.

Welche Themen werden für UnitCargo in den kommenden drei bis fünf Jahren an Bedeutung gewinnen? Was planen Sie?
Sertic:
Neben der schon angesprochenen Digitalisierung und der damit zusammenhängenden Prozessoptimierung werden wir weiterhin auf den kontinuierlichen Ausbau unserer Kundenbasis setzen. Wir wollen sie so breit wie möglich gestalten, um keine Abhängigkeit zu erzeugen. Dies gibt uns die Sicherheit, gesund zu wachsen. Dabei kombinieren wir die Warenflüsse der Kunden, um Leerkilometer z. B. zu minimieren und so den optimalen Marktpreis anzubieten.

Welche Wünsche haben Sie derzeit an die Politik?
Sertic:
Europaweit soll Logistik den Stellenwert haben, den es verdient. Man muss erkennen, dass ein Land nur gesund wirtschaften kann, wenn es ein gesundes Logistikkonzept gibt. Wir sind hier ein Musterbeispiel mit dem Logistikbeauftragten Franz Schwammenhöfer aus dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie und den Führungspersönlichkeiten aus dem Transport und Verkehr-Bereich der WKO. Wir brauchen eindeutig mehr Praktiker in der Politik, die wissen, wovon sie reden.



Lesen Sie die Fortsetzung dieses Interviews in unserer frischgedruckten Ausgabe VK 23/2018 oder digital im Austria Kiosk.


Weitere Themen in der Ausgabe 23/2018 ( + Neue Bahn):

- Die Scheinselbstständigkeit wird zum Problem:
Zollfahnder decken immer häufiger gesetzeswidrige Konstruktionen wie die Scheinselbstständigkeit auf. Welche Maßnahmen werden ergriffen, um dieses Problem einzudämmen?

- Schwergutmesse der Superlative: Die heurige Breakbulk Europe war ein voller Erfolg. 10.000 Experten aus der Welt des Schwerguttransports tummelten sich in den Bremer Messehallen. Ein Nachbericht.

- Eisenbahnverkehrsunternehmen spüren enormen Margendruck: In Österreich sind 33 EVU im Güterbereich tätig. Sie sehen sich mit massiven Problemen konfrontiert. Verkehr hat nachgefragt, wie die Geschäfte laufen, welche Marktchancen die EVU sehen und welche Pläne für die Zukunft erstellt werden.

- "Mit Datenschrott kann man nicht vernünftig organisieren": Verkehr sprach mit Andrea Mayer und Rainer Wölk, Managing Directors von GLC Global Logistics Competence Ltd., über ihre Herausforderungen bei Beratungsprozessen und wo die meisten Unternehmen ihre blinde Flecken haben.

- Peace-Highway zwischen dem Kosovo und Serbien: Kürzlich fand in Bulgarien der EU-Westbalkangipfel statt, bei dem europäische Regierungsvertreter über die Zukunft der Region diskutierten und über den EU-Mobilitätspaket verhandelten. Verkehr war vor Ort und liefert einen Überblick über die wichtigsten Aspekte des Gipfels.

- Scania liefert Lkw für deutsches Forschungsprojekt aus: Die deutsche Regierung hat beschlossen, ein Forschungsprojekt, bei dem sogenannte eHighways getestet werden, zu finanzieren. Scania liefert die Trucks für dieses Projekt.

- Kombi-Verkehr aus einer Hand?: Traffix Verkehrsplanung, Satiamo, Montan Spedition und Gebrüder Weiss widmen ihre Aufmerksamkeit der Planung, Optimierung und Buchung komplexer Transportketten. Zu diesem Zweck werden drei Forschungsprojekte zu einem ganzen Projekt zusammengefügt.

- Werte in der Welt des Wandels: Das Selbstverständnis von Unternehmen und ihr Umgang mit Wandel prägten eine spannende Podiumsdiskussion beim 34. Logistik Dialog.

- "Für Konflikte werden sehr viele Ressourcen verschwendet": Verkehr sprach mit den zwei Wirtschaftsmediatoren Margot Tschank und Horst Gamperl über die Vorteile der Wirtschaftsmediation und deren Einsatz in der Logistikbranche.

- Wünsche an die Politik: Harald Lassmann, Geschäftsführer von Russia Fachspedition Dr. Lassmann.


Themenüberblick der Spezialbeilage "Neue Bahn":

- Nachhaltige Mobilität wird politisch unterstützt:
Der Bahn- und Breitband-Ausbau sind laut Verkehrsminister Norbert Hofer die größten Prioritäten seines Ministeriums für die kommenden Jahre. Welche Maßnahmen werden in diesem Zusammenhang ergriffen?

- Die Bahn ist sicherer als das Auto: Das Todesrisiko von Pkw-­Passagieren liegt 53-­mal höher als jenes von Zugreisenden. Das ergab ein neuer Sicherheitsvergleich von Allianz pro Schiene und Automobil­-Club Verkehr ACV in Deutschland. Die Zahlen stagnieren seit Jahren, doch es gibt noch einiges zu tun.

- Die ÖBB erhalten 200 Loks: Die ÖBB investieren in die Zukunft des Güterverkehrs und schaffen daher neue und leistungsfähige Lokomotiven von Siemens an.

- Den Lkw­-Verkehr regionalisieren und die Bahn internationalisieren: Seit Ende Jänner 2018 fungiert Andreas Mandl als Vorsitzender des Ausschusses Schienengüterverkehr in der Wirtschaftskammer Österreich. Verkehr sprach mit ihm über den Wettbewerb zwischen Schiene und Straße, Nachwuchsprobleme und Englisch im Bahnbetrieb.

- Barcotec macht ÖBB-­Züge noch sicherer: Die ÖBB-Technische Services kennzeichnet österreichweit eine Million Zugbauteile mit RF-ID-Tags von Barcotec aus.

- Grünes Licht für lange Züge: Deutschland will Netzengpässe beseitigen, um 740 Meter lange Güterzüge auf die Schiene zu bringen. Davon profitiert die verladende Wirtschaft.

- Der Zug der Zukunft: Beim Projekt "Next Generation Train" (NGT) arbeiten deutsche Wissenschafter aus neun DLR- Instituten interdisziplinär zusammen. Das Ziel: den Zug der Zukunft zu entwickeln.

- Superschnell nach Berlin: Mit dem Start der Highspeed-Verbindung zwischen München und Berlin rechnet die Deutsche Bahn mit einem Marktzugewinn auf dieser innerdeutschen "Rennstrecke".

- Ein erster Blick auf die neue und moderne Wiener U-Bahn: Die Wiener Linien und Siemens haben das Design für die neue vollautomatische U-Bahn in Wien präsentiert.

 

 


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